
Autonomous Systems meldet eine Premiere in der Schweiz: Berns verkehrsreichstes Depot im Herzen der Stadt sei nun „Smartbus Ready“. Foto: Autonomous Systems
Autonomous Systems meldet eine Premiere in der Schweiz: Berns verkehrsreichstes Depot im Herzen der Stadt sei nun „Smartbus Ready“. Gleichzeitig handle es sich um das erste mehrstöckige Depot dieser Art. Nach einer strukturierten „Depot Autonomy Readiness Assessment“ sei der Standort nun für autonome Depotmanöver vorbereitet. Der zentrale Betriebshof von Bernmobil verfügt über zwei Ebenen und zählt laut Autonomous Systems zu den anspruchsvollsten europäischen Depotanlagen.
„Das Depot Eigerplatz gehört zu den betrieblich anspruchsvollsten Depots in unserem Netz: Enge Stellplätze, Fahrbewegungen über mehrere Ebenen und das routinemäßige Rückwärtseinparken sind nur einige der Herausforderungen dieses Depots, dessen räumliche Gestaltung im Laufe seiner über 100-jährigen Betriebsgeschichte immer wieder angepasst wurde“, sagte Bernhard Riegel, Projektleiter bei Bernmobil. „Diese Bereitschaftsbewertung zeigt uns, welches Potenzial ein autonomer Betrieb selbst für ein so komplexes Depot bieten könnte.“
Autonomous Systems sieht erhebliches Einsparpotenzial. Auf Basis eines Modells errechne sich eine geschätzte Amortisationszeit von rund 4,9 Jahren sowie ein Return on Investment (ROI) von 89 Prozent über zwölf Jahre. Grundlage der Berechnungen seien ein Fahrzeuglebenszyklus von zwölf Jahren, eine beispielhafte Flottengröße von 100 im Depot stationierten Bussen sowie die Annahme, dass sich durch automatisierte Einpark- und Rangiervorgänge täglich zehn bis 15 Minuten Fahrerzeit pro Fahrzeug einsparen lassen.
Demnach könnten im „schwierigen Szenario“, das tägliche Rückwärtseinparkvorgänge und Stoßzeiten berücksichtigt, jährlich rund 9.125 Fahrerarbeitsstunden eingespart werden. Das entspreche mehr als fünf Vollzeitstellen. Bernmobil bewertet dieses Potenzial als wichtigen Input für langfristige TCO-Analysen (Total Cost of Ownership) der Busflotte.
„Autonomie wird dann real, wenn sie jeden Tag einen messbaren operativen Mehrwert liefert“, sagte Jan Gramatyka, Co-CEO von Autonomous Systems. „Depots sind der praktische Ausgangspunkt – niedrige Geschwindigkeiten, ein kontrolliertes Umfeld und ein unmittelbarer ROI. Der Eigerplatz ist ein Standort von hoher Komplexität; genau deshalb kann sich der Nutzen hier als so bedeutend erweisen.“ Die Analyse verweist darauf, dass autonome Fahrmanöver innerhalb des Depotgeländes keiner Zulassung für den öffentlichen Straßenverkehr bedürfen, da es sich beim Eigerplatz um Privatgelände handelt – vorausgesetzt, definierte Betriebsgrenzen, Sicherheitsvorkehrungen und Notfallverfahren sind etabliert.
Zugleich weist die Untersuchung darauf hin, dass die Zufahrt zum Obergeschoss über einen kurzen Abschnitt öffentlicher Straße erfolgt. Daher könne sich die erste Implementierungsphase auf den Betrieb innerhalb der privaten Depotgrenzen konzentrieren, während parallel eine Ausweitung des Einsatzbereichs geprüft werde. Neben Produktivitätsgewinnen hebt die Analyse auch sicherheitsrelevante Vorteile für batterieelektrische Busse hervor: Vordefinierte autonome Umsetzroutinen könnten im Notfall Fahrzeuge aus brandgefährdeten Bereichen entfernen, ohne dass Personal die Gefahrenzone betreten müsse.
Für die Einführung empfiehlt die Analyse ein stufenweises Vorgehen. In der Vorbereitungsphase sollen unter anderem 3D-Kartierungen erstellt, Betriebsgrenzen definiert, Verfahren für das Fußgängermanagement im öffentlichen Durchgang entwickelt sowie Durchsatzmodelle für Spitzenlastzeiten erstellt werden. Anschließend sei eine technische Validierung vorgesehen, zunächst im Erdgeschoss mit Fokus auf das Einparken ankommender Fahrzeuge und deren Positionierung zum Laden. In einer dritten Phase soll die operative Validierung erfolgen – inklusive zusätzlicher Fahrmanöver wie Waschstraßendurchfahrten, Positionierung an Serviceplätzen und nächtlicher Rangierfahrten sowie einer möglichen Erweiterung des Einsatzbereichs. (AutonomousSystems/PM/Sr)