Professorin Xuemei Bai, eine führende Expertin und Vordenkerin in Sachen Urbanisierung und Nachhaltigkeit. Foto: Volvo

Der Volvo-Umweltpreis 2018 geht an Professorin Xuemei Bai, eine führende Expertin und Vordenkerin in Sachen Urbanisierung und Nachhaltigkeit. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten, Tendenz steigend. In Zukunft werden wir drastisch unterschiedliche Arten der Planung, des Bauens und der Verwaltung von Städten benötigen, sagt Xuemei Bai. Städte seien seit jeher die Geburtsorte neuer Ideen und Schmelztiegel unterschiedlichster Bewegungen. Die Verlockung eines scheinbar besseren Lebens, die vielen Möglichkeiten, das gemeinsame Miteinander, der Überfluss, es gibt viele Gründe, warum es  Millionen Menschen in die Städte der Welt zieht. Zum ersten Mal in der Geschichte leben mehr Menschen in Städten als in ländlichen Gebieten. Und diese Lebensweise wird sich fortsetzen: Bis 2050 werden mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung in städtischen Gebieten leben. „Die Urbanisierung ist wohl eine der größten gesellschaftlichen Transformationen unserer Zeit“, sagt Xuemei Bai, Professorin für städtische Umwelt und menschliche Ökologie an der Fenner School of Environment and Society an der Australian National University in Canberra. Geboren und aufgewachsen in China, seit vielen Jahren in Japan lebend und jetzt australische Staatsbürgerin, ist sie eine führende Expertin, wie sich schnell wachsende Städte lebenswerter, nachhaltiger und belastbarer machen können. Ihr Fokus liegt auf Asien und dem globalen Süden. Während Städte im Norden versuchen, intelligent und umweltbewusst zu werden und manchmal auch erfolgreich sind, seien Städte wie Lagos, Nigeria, um das Hundertfache gewachsen und Albträume der Umwelt. In nur zwei Generationen stieg Lagos von 200.000 auf fast 20 Millionen. Die Stadt Lagos ist nur zum Teil wohlhabend, dafür voll und ganz chaotisch – viele Einwohner leben in Slums, die nicht an Wasser- oder Abwassersysteme angeschlossen sind. Prognosen zeigen, dass Lagos bei einem weiteren Bevölkerungswachstum in Nigeria zur größten Metropole der Welt werden könnte, in der vielleicht 85 Millionen Menschen leben. Andere Megastädte wachsen jedoch noch schneller, etwa Guangzhou und Peking in China und Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo. Alle der 10 am schnellsten wachsenden Megastädte in Asien oder Afrika. Xuemei Bai: „Es wird manchmal gesagt, dass Nachhaltigkeit in Städten gewonnen oder verloren wird. Ich würde noch einen Schritt weitergehen und sagen, dass Nachhaltigkeit in Städten im globalen Süden gewonnen oder verloren wird.” Nirgendwo auf der Welt war das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Urbanisierung so groß wie in China, möglicherweise mit der schnellsten und größten Migration einer menschlichen Bevölkerung in der Geschichte. In nur 30 Jahren sind fast 500 Millionen Menschen aus ländlichen Gebieten in die großen Städte Chinas gezogen. So ist Chinas Wirtschaft in einem erstaunlichen Tempo gewachsen, auf der Strecke blieb die Umwelt: verschmutzte Luft und verseuchte Flüsse sowie Böden sind die Kehrseite der Medaille. Die chinesischen Behörden versuchen, einige der Fehler zu korrigieren, was aber wahrscheinlich Generationen in Anspruch nehmen wird. Im Zentrum von Xuemei Bais Forschung steht, wie man es richtig macht, wenn neue Stadtgebiete entstehen. Städte haben einen großen Einfluss, da rund 75% der CO2-Emissionen aus der Energienutzung in die Städte zurückverfolgt werden können. Um Städte nachhaltig zu gestalten, müssen Prozesse angestrebt werden, die denen in natürlichen Ökosystemen ähneln. Dabei werden Input und Output reduziert und der Material- und Energieverbrauch zirkulärer. „Wir müssen Städte als ein von Menschen dominiertes komplexes Ökosystem betrachten und als solches verwalten. Wenn wir das tun, glaube ich, dass es für die Menschen und ihre Städte eine glänzende Zukunft gibt. “ Die Jury der Volvo Environment Prize Foundation gab anlässlich der Entscheidung Folgendes bekannt: „Professorin Xuemei Bai ist einer der aktivsten globalen Vordenker in der Nachhaltigkeitsforschung für Städte. Sie arbeitet in allen Bereichen und beschäftigt sich sowohl mit theoretischen als auch mit angewandten Herausforderungen und konzentriert sich auf die Stadtentwicklung in Ostasien. Ihre Arbeit ist ein hervorragendes Beispiel für die Anwendung der Forschung auf Politik und Praxis. “ Dies wird vom Vizekanzler der Australian National University, Professor Brian Schmidt, einem Nobelpreisträger für Physik, bestätigt: „Xuemei Bai ist eine hervorragende Forscherin. Ihre Arbeit hier in Asien ist für unsere aktuellen und zukünftigen Probleme absolut bedeutsam.” Der Volvo-Umweltpreis wurde 1988 gegründet und hat sich zu einem der angesehensten Umweltpreise der Welt entwickelt. Er wird jährlich an Personen vergeben, die herausragende wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich Umwelt und nachhaltige Entwicklung gemacht haben. Als Preisgeld gibt es  1,5 Mio. SEK, umgerechnet knapp 150.000 Euro.
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