Diesel raus, Elektroantrieb rein. Foto: DB Regio / Knudsen

Mit Autokraft geht das größte Busunternehmen Schleswig-Holsteins bei diesem Schlüsselthema voran. “Die Förderung nachhaltiger Elektromobilität auf unseren Straßen ist gefragter denn je und ist für uns von großer Bedeutung” so Thorsten Hinrichs, Niederlassungsleiter Flensburg der Autokraft GmbH. Im Fokus des Verkehrsbetriebes steht ein so genanntes Demonstrationsvorhaben: Ziel ist es, zwei Dieselbusfahrzeuge als Pilotbusse auf einen batterieelektrischen Antrieb umzurüsten und damit einen Umstieg auf batterieelektrische Busse im öffentlichen Nahverkehr zu einem geringeren Preis und deutlich schneller als bei der Anschaffung neuer E-Bus Fahrzeuge zu ermöglichen. “Eine zukunftsweisende Entwicklung, bei der wir sehr gerne mitwirken und großes Potenzial sehen.” Für die Umrüstung stellt die Tochtergesellschaft der DB Regio mit 750 Mitarbeitenden einen Dieselbus Modell MAN Lion City und einen MB-Sprinter Minibus der Flensburger Niederlassung zur Verfügung und arbeitet eng mit der Zentralwerkstatt zusammen. Zudem beschafft sich die Autokraft GmbH die benötigte Ladetechnik, um die Fahrzeuge anschließend in den Betrieb zu nehmen. Das spätere Einsatzgebiet nach erfolgreicher Umrüstung wird der öffentliche Personennahverkehr der Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg sein. Der Verbund von Autokraft GmbH mit GreenTEC Campus GmbH und I SEE Electric Busses GmbH leistet laut “einen wichtigen Beitrag zur Elektrifizierung des Personennahverkehrs”, so Tobias Goldschmidt, Staatssekretär im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein. Und weiter: “Das Vorhaben, vorhandene Dieselfahrzeuge mit einem elektrischen Antrieb auszustatten, ist nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Ressourcenschonung, sondern aufgrund des breiten Wandels im Nahverkehr auch eine Idee mit großem Marktpotenzial.” So war dem Staatssekretär mehr als eine Freude, einen Förderbescheid in Höhe von 438.185 Euro an die Vertreter der drei Firmen zu überreichen. Die GreenTEC Campus GmbH wiederum übernimmt die Koordination der drei Verbundpartner und realisiert die Umrüstung der technischen Maßnahmen. Zudem testet GreenTEC die “frisch umgerüsteten” Elektrofahrzeuge im nichtöffentlichen Straßennetz und führt die notwendige TÜV-Abnahme durch. Die wesentlichen Elemente zur Umrüstung der Fahrzeuge entwickelt die im Juni 2018 gegründete I SEE Electric Busses GmbH in Zusammenarbeit mit einem technischen Kooperationspartner. Zu diesen Elementen zählen die Herstellung von Batteriepacks sowie die Entwicklung von Lademanagement und Antriebstechnik. Die Produktion von Elektrobussen kann mit der starken Nachfrage nicht Schritt halten. So werden Fahrzeuge deutscher Hersteller frühestens Ende 2019 in nennenswerten Stückzahlen erwartet. Zwar gibt es serienreife Fahrzeuge internationaler Anbieter, jedoch haben auch diese Kapazitätsprobleme. Die daraus resultierende Marktsituation treibt die Preise für Elektrobusse in die Höhe, sodass diese dreimal so kostenintensiv wie konventionell angetriebene Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sind. Der Unternehmensverbund aus Schleswig-Holstein strebt folgende Ziele an: rund 50 % Kostenvorteil der Umrüstung eines Dieselbusses gegenüber einer Investition in einen neuen Elektrobus und die Umrüstdauer beträgt nur drei bis vier Wochen. “Dieses Entwicklungsprojekt schließt nicht nur eine Marktlücke, sondern trägt auch dazu bei, die Existenz der neu gegründeten I SEE Electric Busses GmbH am Standort Enge-Sande nachhaltig zu sichern und zu etablieren”, erläutert WTSH-Geschäftsführer Dr. Bernd Bösche. I SEE Electric Busses sieht bis 2020 einen Bedarf an 17 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Auch die GreenTEC Campus GmbH will bis zum Jahr 2020 jeweils zwei neue Arbeitsplätze im Bereich Forschung und Entwicklung schaffen. Bis 2022 ist ein Gesamtumsatz beider Unternehmen von 2,16 Millionen Euro angestrebt. Unterstützt wird dieses Projekt im Zeitraum von 2014 bis 2020 mit Fördermitteln der Europäischen Union – Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe “Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur” (GRW) und Landesmitteln für die wirtschafts- und regionalpolitische Förderung in Schleswig-Holstein.

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