Dem Saarland droht der größte Streik im Busgewerbe, den es je gab. Fotos: Saarbahn, Schreiber; Montage: omnibus.news

Im Saarland könnte ein Bus-Streik drohen, den es in dieser Größenordnung bisher nicht gab: Verdi fordert für die Busfahrer unter anderem eine deutliche Erhöhung des Stundenlohns sowie eine Reduzierung der Wochenarbeitstage. Private Busunternehmen würden jede vierte Fahrt im Saarland durchführen und wären längst an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen, Busfahrer im privaten Gewerbe berichten von 12-Stunden-Schichten und einer Sechs-Tage-Woche. Kommunale Betriebe beklagen den allgemeinen Fahrermangel, aktuell wird eine laufende Tarifrunde verhandelt. Und: Es existiere bereits ein Vertrag mit einer kleineren Gewerkschaft, der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst und Dienstleistungen (GÖD), so der Kommunale Arbeitsgeberverband Saar (KAV). Die Lage im Saarland ist mehr als angespannt und . Am 30. Oktober startete die Gewerkschaft Verdi mit ihren Urabstimmungen über unbefristete Streiks im saarländischen Busgewerbe. Mitglieder in privaten und kommunalen Betrieben sind nun zur Abstimmung aufgerufen. Die Ergebnisse der Urabstimmungen sollen am 8. November bekannt gegeben werden. Derweil hat der KAV einen von der Gewerkschaft Verdi vorgeschlagenen Termin für weitere, formale Gespräche am 9. November bestätigt. Die Arbeitgeber stellen aber die verschärfte Streikdrohung infrage, weil Verdi selbst behauptet habe, dass man die der vorangegangenen Gesprächsrunde nah beieinandergewesen sei. KAV und Verdi wollen über einen neuen Manteltarifvertrag verhandeln, bei dem Lohngruppen, Urlaubstage und Weihnachtsgeld im Fokus stehen. Die Fronten scheinen verhärtet, auf den Warnstreik Ende September, bei dem Verdi zu einem ganztägigen Streik aufgerufen hatte, reagierte der KAV mit Unverständnis. Man habe Verdi im Juli ein Angebot vorgelegt, das eine Erhöhung des Urlaubs- sowie Weihnachtsgeldes, mehr Urlaubstage und ein höheres Gehalt für Busfahrer ohne einschlägige Berufsausbildung beinhalte hätte, so der KAV. Verdi hingegen teilte damals mit, dass das Angebot nicht weit genug gegangen wäre. Der KAV sei lediglich auf vier von insgesamt zwölf Forderungen eingegangen, sagte ein Verdi-Sprecher des Verdi-Landesbezirks Rheinland-Pfalz-Saarland. Die Gewerkschaftler wollen aber über alle zwölf Punkte verhandeln und einen Kompromiss finden, mit dem beide Seiten leben können. Dann folgten gegenseitige Schuldzuweisungen: „Der kommunale Arbeitgeberverband bricht unnötig die Verhandlungen ab, obwohl verhandlungsfähige Angebote vorlagen. Wir wollten weiterverhandeln,“ zeigt sich Christian Umlauf, Gewerkschaftssekretär bei Verdi erzürnt und ergänzt: „Das ist die Steilvorlage der Arbeitgeberseite für eine weitere Eskalation in Richtung eines unbefristeten Erzwingungsstreiks. Der Busfahreraufstand wird geradezu provoziert.“ Umlauf weiter: „Auch bei den privaten Busunternehmen im Saarland zeigen die Signale drohende Eskalation.” Zwar gibt es ein Gesprächsangebot seitens des Arbeitgeberverbands, jedoch wird: „im Hintergrund alles von den Arbeitgebern getan, um Verdi-Mitglieder einzuschüchtern und zum Gewerkschaftsaustritt zu bewegen,“ empört sich Umlauf. Das hat nach Umlaufs Meinung nichts mit ehrlicher Tarifarbeit zu tun. „Wir sind im saarländischen ÖPNV sehr gut aufgestellt. Die Arbeitgeber sollten sich, auch im Hinblick auf Ihre Verantwortung für die Daseinsvorsorge im Land, überlegen, ob ihre Strategie die richtige ist. Provokationen, Einschüchterungen, miese Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen passen nicht zu einer steuergeldfinanzierten Branche, auf die wir angewiesen sind. Gefragt sind konstruktives Verhalten, der ernste Wille der Einigung und der Respekt gegenüber den Beschäftigten, die uns sicher durch das Saarland bringen,“ sagt Umlauf. Einige private Busunternehmer haben Anzeige erstattet, weil Aktionen der Gewerkschaft jenseits des Streikrechts gewesen wären und damit einfach zu weit gegangen seien. Einige Arbeitgeber sprechen sogar gegenüber Medien von kriminellen Methoden, um Ziele ohne Wenn und Aber zu erreichen. Das Saarland könnte den größten Streik und Busfahreraufstand erleben, den es je gab – rund 1.000 Busfahrer könnten daran teilnehmen.

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