Wohin fährt MAN unter der Regie von VW?

Wohin fährt MAN unter der Regie von VW?

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) mutmaßt im Wirtschaftsteil, dass Volkswagen (VW) den traditionsreichen Konzern MAN zerschlage werde. Die Süddeutsche Zeitung (SZ) geht im Rahmen der Berichterstattung noch einen Schritt weiter und benennt sogar den Tag, an dem MAN aufhörte, ein selbständiger Konzern zu sein. Bis vor drei Jahren sei MAN noch ein stolzer Dax-Konzern gewesen, so beide Zeitungen unisono. Vom traditionsreichen Konzern werde künftig nur noch eine rechtliche Hülle bleiben. Wie VW die Geschäfte aufteilt, wurde spätestens mit der Gründung der Truck & Bus GmbH deutlich (siehe Meldung vom 6. Mai): In die neue Holding wurde die Lastwagen- und Bussparte eingebracht, einschließlich der Nutzfahrzeug-Aktivitäten in Südamerika. Das Dieselmotoren-Geschäft sowie der Getriebehersteller Renk würden eine neue Heimat unter dem Dach des VW-Konzerns finden, so die FAZ. Die SZ merkt an, dass das am 6. Juni 2013, dem Tag der MAN-Hauptversammlung, wohl nicht allen bis ins Letzte klar gewesen sei. Es war der Tag, an dem MAN einen Vertrag mit Volkswagen abschloss, den man in der Industrie “Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag” nennt, schreibt die SZ. VW konnte ab diesem Tag theoretisch alles mit MAN machen. Und auch praktisch geschah viel, wie man heute mehr denn je sieht. Führungspositionen wurden neu besetzt, jetzt wird der Traditionskonzern in seine Bestandteile aufgelöst und im großen VW-Konzern verteilt. Den rund 300 Mitarbeitern der Holding MAN SE werde in den nächsten drei Monaten ein neuer Arbeitsvertrag für eine Tätigkeit in der Volkswagen-Gruppe unterbreitet, schreiben FAZ und SZ übereinstimmend. Andreas Renschler, seit Februar als VW-Konzernvorstand verantwortlich für die Lastwagen-Aktivitäten, sei dabei, eine schlagkräftige Nutzfahrzeuggruppe – einschließlich der Marke Scania – zu schmieden. Anfang der Woche habe Renschler auf einer Belegschaftsversammlung am Hauptsitz in München die Mitarbeiter über die Pläne von VW unterrichtet. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass VW schon mehr vorbereitet habe als nur eine Nutzfahrzeug-Holding. Man munkelt, es gebe schon ein Sparprogramm, was mit den Arbeitnehmern zu diskutieren sei. Was passiert mit der Holding, die über den verschiedenen Konzernaktivitäten stehe? Die SZ fragt, was mit der Konzernzentrale in der Münchner Ungererstraße geschehe, wenn VW doch alles steuere? Der FAZ bestätigte eine Unternehmenssprecherin, dass im Rahmen der Neuorganisation des Nutzfahrzeug-Geschäftes auch die Funktionen der MAN SE überprüft werden würden. MAN bleibt als eine rechtliche Einheit und eine börsennotierte Gesellschaft, ohne aber nennenswerte operative Aufgaben. Die Marke bleibt, das Unternehmen verschwindet so langsam. Welch’ ein Geburtstagsgeschenk, wenn man bedenkt, dass MAN in diesem Jahr ein bedeutendes Jubiläum feiert: Vor 100 Jahren begann die Geschichte des Nutzfahrzeugbaus.

Teilen auf: