Die IIA hat im Novemebr 2019 die ersten neuen Linienbusse für Rom ausgeliefert. Foto: IIA

Nichts Ungewöhnliches: Defekte Busse gehören in Rom zum Straßenbild. Foto: Schreiber

Immer mehr Menschen in Rom scheinen wieder mit dem Bus zu fahren. Die Fahrgastzahlen waren in den letzten fünf Jahren stets rückläufig, zuletzt meldete der stadteigene Verkehrsbtrieb ein Minus von 23 Prozent. Dagegen wuchs die Zahl der neu zugelassenen Pkw deutlich, immer mehr Römer drehtem dem Bus den Rücken zu. Die “Azienda Tranvie ed Autobus del Comune di Roma”, kurz ATAC, galt lange Zeit als Musterbeispiel für Korruption und Vetternwirtschaft in Italien. Lange Zeit stand es schlecht um den Verkehrsbetrieb, de facto war er pleite, ein Konkurs unausweichlich. Doch das konnte sich die Stadt Rom nicht erlauben, denn sie ist Bürge der ATAC. Also musste ein Plan her. Marco Rettighieri sollte die ATAC retten, bekam aber zu wenig Unterstützung – von den Mitarbeitern und den Verantwortlichen aus der Politik. Nachdem er das Handtuch hingeworfen hatte, kam Bruno Rota. Die Römer hofften, dass der erfahrene Manager den ÖPNV nach Mailand auch in Rom wieder zurück auf den Pfad der Tugend bringen könnte. Doch Rota konnte Rettighieri nur den Rücken stärken, in Rom schien das Aus besiegelt. Das städtische Busunternehmen wies seinerzeit ein Defizit von 1,5 Milliarden Euro auf, wie in den Tageszeitungen Roms und Papieren der Parteien übereinstimmend zu lesen war. Und das, obwohl die ATAC jedes Jahr mit über einer halben Milliarde Euro subventioniert wurde. Trotzdem präsentieren die Verantwortlichen am Ende des Jahres immer wieder ein neues Defizit. Und keine neuen Omnibusse, die so dringend für die maroden Fuhrpark benötigt werden. Die Durchschnittsgeschwindigkeit des ÖPNV-Angebotes in Rom nahm über die Jahre immer weiter ab, von19 km/h in 2014 fiel der Wert in 2018 auf 13 km/h. Mit der neuen Bürgermeisterin Virgina Raggi kam die Wende. Langsam, für viele Römer zu langsam, aber immerhin: Die ersten von 227 neuen Linienbusse wurden im November 2019 von der Industria Italiana Autobus SpA (IIA) an die ATAC übergeben. Die von der Stadt Rom bestellten 10 Meter und 12 Meter langen Diesel- und CNG-Busse wurden von Karsan im türkischen Werk in Bursa hergestellt und bei der IIA in Flumeri für den Einsatz ausgerüstet. Bis Ende 2021 sollen 700 neue Linienbusse in Rom auf der Straße sein, wie die ATAC mitteilt. Das scheint eine Wende bei den Römer eingeleitet zu haben, denn immer mehr Bewohner der Hauptstadt nutzen den ÖPNV. Virginia Raggi hat jetzt angekündigt, ab Montag, dem 9. November, mehr Busse auf den überlasteten Linien Roms einzusetzen. Die benötigten Fahrzeuge sollen bereits bei Busunternehmern, die sonst im Tourismusgeschäft aktiv sind, angemietet worden sein, denn der marode Fuhrpark wurde zwar mit neuen Omnibussen ausgestattet, doch das reicht nicht, um das Angebot zu bedienen. Um den öffentlichen Personennahverkehr auf den verkehrsreichsten Linien zu verbessern, werden nun angemietete Fahrzeuge als Unterstützer eingesetzt. Ungefähr 600 zusätzliche Fahrten pro Tag ergeben sich aus dem jetzt vorgenommenen Umbau des Netzes. Auch darüber wurde zuletzt heftig im Kapitol diskutiert, doch mit Blick auf die Corona-Pandemie und die Sicherheit beim ÖPNV war es scheinbar keine Frage, auf mehr Omnibusse zu setzen. Schon im Frühjahr setzte die ATAC auf private Unterstützer, da waren die ATAC-eigenen-Bahnen ausgefallen. “Ab Montag werden mehr Busse für die Bürger verfügbar sein, insbesondere zu Spitzenzeiten. Ziel ist es, die Unannehmlichkeiten für die Fahrgäste zu minimieren und einen effizienten öffentlichen Verkehrsdienst für diejenigen zu gewährleisten, die zur Arbeit gehen oder mobil sein müssen”, erklärte Virginia Raggi. Die angemieteten Überland- und Reisebusse werden auf allen Strecken der schwächsten Linien eingesetzt, während die hauseigenen ATAC-Fahrzeuge die am häufigsten frequentierten Linien bedienen sollen. Alles sei ein flexibles System, “der Dienst kann von Zeit zu Zeit umgestaltet werden und stets auf weitere Änderungen der Regierung angepasst werden”, wie der Mobilitätsbeauftragte der Stadt Rom, Pietro Calabrese, mit Blick auf die Corona-Pandemie anmerkt.(ATAC/PM/Sr)

In den Hausfarben der ATAC und technisch auf der Höhe der Zeit sind die neuen Busse für Rom. Foto: IIA

Die Bürgermeisterin Roms, Virginia Raggi, hat mit politischer Unterstützung und konkreten Plänen die ATAC vor der Pleite bewahrt. Foto: Raggi

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