Statt eines Spiegels ist eine Kamera verbaut. Foto: MAN

So blickt der Fahrer in den digitalen Rückspiegel… Foto: Böhnke

Für eingefleischte Neoplan-Fans dürfte die IAA 2018 ein Höhepunkt werden, denn Neoplan kehrt mit der Präsentation eines Spiegelersatzsystems zu alten Tugenden zurück. Als die Möhringer noch im Familienbesitz waren, schaute die Branche wegen des innovativen Entwicklergeistes immer zum Stand von Neoplan. Die Auwärter Brüder trauten sich etwas, waren mitunter der Zeit voraus, aber nie verlegen, Ideen zu präsentieren. Nicht immer ein Meilenstein, doch rückblickend spürte man Trends und Innovatives oft zuerst bei Neoplan. In diesem Jahr wird man sich fragen müssen, ob Kamerasysteme die Rückspiegel der Zukunft sind? Zweifelsfrei sind sie als wirkungsvolle Maßnahme gegen Unfälle anerkannt, die ihre Ursache im Toten Winkel haben. Und weil Neoplan nicht mehr Neoplan ist, wird die innovative Technik heute bei Vision Systems aus Frankreich zugekauft. Aber immerhin, als erste deutsche Busmarke bietet Neoplan den digitalen Rückspiegel ab Mitte 2019 an. In Hannover steht ein Cityliner, bei dem erst auf den zweiten Blick auffällt, dass die Rückspiegel fehlen. Deren Aufgabe übernehmen zukünftig Kameras auf beiden Seiten des Busses. Sie liefern Echtzeitbilder auf zwei im Sichtfeld des Fahrers verbauten Displays. Und sie eliminieren damit den Toten Winkel! Respekt, geht doch möchte man jetzt sagen. Aber auch gleichzeitg fragen, warum erst jetzt? Hat doch der neue Besitzer der Marke Neoplan schon vor über zehn Jahren (…im Jahr 2007!) für einen Versuchsträger den ADAC-Innovationspreis bekommen. Warum verschwand die Idee dann wieder in der Schublade? Bei einer Probefahrt mit der neuen Technik wird schnell deutlich, dass der Fahrer so die komplexe bzw. komplette Situation erfassen kann, für die ansonsten Rück-, Weitwinkel- und Rampenspiegel nötig sind. Die verwendete Kameratechnik ermöglicht eine hochaufgelöste Darstellung des Umfelds – und das unabhängig vom Tageslicht! Auch wenn die Demonstrationsfahrt nur bei Tageslicht stattfand, die Ingenieure versprechen eine bessere Sicht sogar bei Nacht und wechselnden Lichtverhältnissen. Positiver Nebeneffekt: Die Einschränkungen durch Beschlagen, Verschmutzung oder Sonnenblendung verschwinden, was die Sicherheit zusätzlich erhöht. Und was nicht zu unterschätzen ist: Spiegel können nicht mehr abgefahren werden… Man darf schon jetzt auf die Diskussion auf sowie nach der IAA zum Thema Spiegelersatzsysteme gespannt sein. Neoplan hat beim ausgestellten Cityliner aber noch weitere Pfeile im Köcher: Mit sechs Kameras an Bord gibt es eine so genannte Bird View, eine Umfeldbeobachtung. Die Bildausgabe erfolgt auf einem separaten Monitor am Fahrerarbeitsplatz. So hat der Fahrer im wahrsten Sinne alles im Blick! Nicht nur ein besonders sicheres, sondern auch ein besonders exklusives Reiseerlebnis verspricht das modifizierte Interieur des Cityliner: Mit dem Fokus auf Fühlen und Erleben vereint er höchste Komfort- und Cateringanforderungen für maximal 35 Passagiere. Neben der exklusiven VIP-Lounge verfügt der Reisebus hierfür über eine Küche mit Heißluftofen, Induktionsladung für Mobiltelefone und Ambientebeleuchtung. Die Mannen vom Neoplan-Produktmarketing haben zur diesjährigen IAA also auch alles im Blick, was den Esprit der Marke Neoplan betrifft!

…und beim Blick zum rechten “Rückspiegel” sieht er dieses Bild. Foto: Böhnke

Neoplan zeigt auf der IAA 2018 einen Cityliner ohne klassische Rückspiegel. Foto: MAN

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