ADL, weltweit führend im Segment der Doppeldecker, streicht bis zu 650 Arbeitsplätze. Foto: ADL

Nicht nur in Deutschland, sondern europaweit haben Bushersteller mit rückläufigen Aufträgen zu kämpfen. Der Doppeldecker Primus Alexander-Dennis (ADL), der auch die neuen Doppeldecker für Berlin liefern wird, wird bis zu 650 Arbeiter entlassen müssen, um der Krise Herr zu werden. ADL stellte 2019 insgesamt 1.250 Busse für den britischen Markt her. Seit März 2020 seien aber keine Bestellungen mehr eingegangen, wie es aus Schottland heißt. Aktuell wolle man bei ADL auf ein „schlankeres, flexibleres Fertigungsmodell“ mit geringeren Kosten umstellen. Colin Robertson, noch amtierender Geschäftsführer von Alexander Dennis und Ende des Monats dann stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates der New Flyer Industries Group Inc. (NFI), einem der weltweit größten unabhängigen Bushersteller mit Sitz in Winnipeg/ Manitoba (Kanada), erklärte, dass das Unternehmen ADL bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie auf einem “Rekordkurs” gewesen sei, dem nun eine „beispiellose Krise“ folgen werde, von der die ganze Busindustrie betroffen wäre. Colin Robertson verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der operativen und leitenden Führung in der Fertigung, einschließlich seiner 13 Jahre als Chief Executive von ADL. Während seiner Amtszeit verwandelte er ADL in den britischen Busmarktführer und Weltmarktführer für Doppeldeckerbusse, indem er sich auf den Kunden konzentrierte und operative Exzellenz, innovative Produkte und Aftermarket-Support kombinierte. Unter seiner Führung, die nach der Übernahme von ADL durch NFI im Mai 2019 fortgesetzt wurde, war ADL durchweg profitabel. Der Jahresumsatz stieg fast um das Vierfache auf 631 Mio. GBP. Nun droht ein jäher Absturz der durchweg guten Zahlen. Der Verlust von bis zu 650 Arbeitsplätzen (ADL produziert an den Standorten in Guildford (Dennis), Scarborough (Plaxton) und Falkirk (Alexander)) sei eine Katastrophe, so britische Medien übereinstimmend. ADL will u.a. die Chassis-Produktion in das Werk in Falkirk verlagern, was rund 200 Mitarbeiter in Guildford betreffen könnte. Britische und schottische Gewerkschaften wollen die drohenden Entlassungen zusammen mit ADL minimieren. Gleichzeitg fordern die politisch engagierten Mitarbeiter, dass die Regierung nun handeln müsse, um dem Verlust von Arbeitsplätzen entgegenzuwirken. Insgesamt stünden bei ADL, mittlerweile unter dem Dach von NFI aus Amerika, weltweit 2.700 Arbeitsplätze auf der Kippe, so die Gewerkschaft. Ganz am Rande fragen sich die Gewerkschafter auch, ob die amerikanische Konzernmutter nicht auch zu schnell Arbeitsplätze streiche, um mittelfristig den Konzern ganz anders aufzustellen. Boris Johnson hatte unlängst angekündigt, 3 Milliarden Britische Pfund für 4.000 neue grüne Bussen bereitzustellen. Diese Pläne müstsen nach Ansicht der Gewerkschaftler nun so schnell wie möglich umgesetzt werden, um Arbeitsplätze zu retten und Großbritannien auf den Weg zu einem saubereren ÖPNV zu bringen. In Briefen an den Verkehrsminister schlugen die Gewerkschafter u.a. vor, dass es doch für die Regierung am einfachsten wäre, die Busse direkt von den Herstellern zu kaufen. Die Regierung könnte sie dann an die Busunternehmen vermieten. Viele Linienbetreiber halten sich aktuell in Großbritannien mit Neuanschaffungen zurück, weil das nötige Geld fehlt – coronabedingt sind auch auf der insel die Fahrgastzahlen und damit die Einnahmen deutlich zurückgegangen. (TheGuardian/Unite/PM/Schreiber)

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