
In einem außergewöhnlichen gemeinsamen Auftritt nahmen die CEOs der sieben führenden europäischen Lkw- und Bushersteller gestern auf der IAA Transport im Rahmen einer Pressekonferenz die Politik in die Pflicht. Foto: VDA

Von heute bis zum 20. September treffen sich in Hannover auf der IAA Transportation Unternehmen aus der Nutzfahrzeug-, Logistik- und Transportbranche. Foto: Schreiber

In diesem Jahr sind in Hannover rund 288 Aussteller mit Sitz in China vertreten – nicht nur mit Omnibussen, sondern auch Zulieferer präsentieren sich in Hannover. Foto: Schreiber

Foton bietet in den Türkei einen Elektrobus namens eAurora an, der die optische Nähe zum eKent von Otokar nicht verleugnen kann. Foto: Schreiber
Von heute bis zum 20. September treffen sich in Hannover Unternehmen aus der Nutzfahrzeug-, Logistik- und Transportbranche. Der Omnibus ist nahezu komplett von der Messe verschwunden. Mehr als 1.700 Ausstellerinnen und Aussteller sowie mehr als 145.000 Besucherinnen und Besucher werden zur IAA Transportation 2026 erwartet. Laut den Veranstaltenden werden mehr als 150 Weltpremieren und Neuheiten präsentiert – u.a. auch eine Weltpremiere eine E-Überlandbusses. Eröffnet wird die Messe – ganz traditionell – von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger.
Und der offizielle Auftakt findet heute von 10:00 bis 11:00 Uhr auf der Main Stage in Halle 18 statt, mit dabei auch die VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Im Anschluss richtet sich der Blick auf die zentralen Zukunftsfragen der Branche auf der IAA Conference. Hier spricht u.a. Matthias Kässer von McKinsey & Company auch darüber, wie die europäische Nutzfahrzeug-Industrie angesichts neuer internationaler Wettbewerber ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern kann. Spätestens nach einem Rundgang über die IAA Transportation 2026 ist klar, chinesische OEMs und Zulieferer sind in Europa längst angekommen.
In diesem Jahr sind in Hannover rund 288 Aussteller mit Sitz in China vertreten – nach Aussagen des VDA gegenüber omnibus.news und auf Grundlage des aktuell verfügbaren Aussteller-Datensatzes entsprechte das etwa 22 % aller erfassten Aussteller. Zum Vergleich: Bei der IAA Transportation 2024 waren 223 chinesische Unternehmen gemeldet, also etwa 18,3 % der damaligen 1.220 Aussteller. Dem Motto der diesjährigen Ausgabe „We Deliver“ (deutsch: „wir liefern“) werden die chinesichen Aussteller gerecht: Lokal emissionsfreie Nutzfahrzeuge dominieren auf deren Messeständen.
In diesem Jahr rückt die IAA Transportation Klimaneutralität mehr denn je in den Fokus. „Knapp 30 Prozent der CO2-Emissionen des Straßenverkehrs in Europa entfallen auf den Schwerlastverkehr. Entsprechend groß ist das Potenzial für die Reduzierung von Emissionen“, sagt die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller. Der VDA sieht bei diesem Wandel jedoch Probleme. Technologien für batterieelektrische Lkw und Wasserstoff-Lkw mit hohen Reichweiten seien bereits entwickelt, es fehle jedoch an Schnellladepunkten für schwere Nutzfahrzeuge.
Die benötigten Rahmenbedingungen für eine Ladeinfrastruktur sowie Wasserstofftankstellen sind weitestgehend nicht vorhanden, noch schlimmer, sie sind teils noch nicht einmal geplant…Die OEMs haben aber schon elektrische Nutzfahrzeuge im Programm und sozusagen abgeliefert, nur die Politik hängt hinterher – einzig neue Grenzwerte, die den Weg zu lokal emissionsfreien Fahrzeugen freimachten, wurden festgelegt. Die EU-Neuzulassungen elektrisch aufladbarer Omnibusse sind im 1. Quartal 2026 um 36 % gestiegen und erreichten 21,8 % Marktanteil.
In einem außergewöhnlichen gemeinsamen Auftritt warnten die CEOs der sieben führenden europäischen Lkw- und Bushersteller gestern auf der IAA Transport im Rahmen einer Pressekonferenz, dass der Übergang Europas zu emissionsfreien Nutzfahrzeugen weiterhin durch eine alarmierende Verzögerung bei den notwendigen Rahmenbedingungen für eine breite Marktakzeptanz gebremst werde. Sie appellierten an die europäischen und nationalen Entscheidungsträger, diese Lücke dringend zu schließen und den Zeitplan für die CO₂-Regulierung bis 2030 anzupassen.
Europäische Lkw- und Bushersteller stehen weiterhin voll und ganz hinter den ambitionierten CO₂-Reduktionszielen der EU. Nach jahrelangen Investitionen ist heute eine breite Palette wettbewerbsfähiger emissionsfreier Fahrzeuge für alle wichtigen Anwendungsfälle verfügbar. Die Voraussetzungen für Transportunternehmen, diese Fahrzeuge in großem Umfang einzusetzen und wettbewerbsfähig zu betreiben, hinken jedoch mindestens drei Jahre hinterher und entwickeln sich weiterhin nicht schnell genug.
Karin Rådström, Präsidentin und CEO von Daimler Truck und Vorsitzende des Nutzfahrzeugausschusses der ACEA: „Wir setzen uns uneingeschränkt für nachhaltigen Verkehr ein – die Investitionen sind getätigt, und eine breite Palette CO₂-freier Fahrzeuge ist bereits verfügbar. Doch die kommerzielle Rentabilität in großem Maßstab hängt auch vom gesamten Ökosystem ab, das sich deutlich verzögert und noch nicht schnell genug entwickelt. Das bedeutet zweierlei: Wir müssen die Rahmenbedingungen rasch und deutlich verbessern .“ (ACEA/VDA/PM/Sr)