
Zum Start kündigt COR Tranbsit einen 40-Fuß-Linienbus (rund 12,2 Meter) mit klassischem Dieselantrieb an. Foto: ABCCompanies

Auf der APTA TRANSform & EXPO in Chicago hat ABC Companies mit COR Transit eine neu gegründete US-amerikanische Busmarke präsentiert. Foto: ABCCompanies

So soll der Fahrerarbeitsplatz im neuen COR Transitbus aussehen. Foto: ABCCompanies

Bis zur 2. Achse ein niederfluriger Boden. Foto: ABCCompanies

Im Heck gibt es auf ein Podest. Foto: ABCCompanies
Auf der APTA TRANSform & EXPO in Chicago hat ABC Companies mit COR Transit eine neu gegründete US-amerikanische Busmarke präsentiert. Noch ohne fertigen Omnibus, dafür mit einer klaren Ansage: COR Transit soll künftig Linienbusse für den nordamerikanischen Markt herstellen. Der gewählte Firmenname wurde auf der Messe im Zusammenhang mit der Ankündigung nicht näher erläutert. Der Kunstname COR weckt allerdings Assoziationen zu „core“ – dem englischen Wort für „Kern“. Zusammen mit „Transit“ lässt sich daraus durchaus eine passende Botschaft ableiten, wenn ABC Companies nun das Transitgeschäft stärker in den Mittelpunkt rückt.
Zum Start wurde ein 40-Fuß-Linienbus (rund 12,2 Meter) mit klassischem Dieselantrieb angekündigt. Technische Daten? Fehlanzeige. Weder Aufbauart noch Antriebstechnik noch Angaben zum Fassungsvermögen wurden kommuniziert. Dafür gab es die durchaus ambitionierte Ansage, bereits im kommenden Jahr erste Prototypen auf der Straße testen zu wollen. Die ersten Auslieferungen an Kunden sind für 2028 vorgesehen. ABC Companies will dafür allerdings weder auf das ehemalige Van-Hool-Netzwerk noch auf die Produktion in Mazedonien zurückgreifen.
Der neue Linienbus soll nach Angaben des Unternehmens in den USA gefertigt werden. Wo genau, sei aktuell noch offen. Fest stehe nach Angaben von ABC Companies jedoch, dass die neuen Linienbusse die Buy-America-Anforderungen erfüllen sollen. Damit will das Unternehmen sicherstellen, dass die Fahrzeuge für öffentliche Verkehrsbetriebe grundsätzlich für die entsprechenden US-Förderprogramme infrage kommen. Wie andere Bushersteller sieht auch ABC Companies einen erheblichen Nachholbedarf bei den amerikanischen Verkehrsbetrieben.
Viele Betreiber stehen in den kommenden Jahren vor der Aufgabe, ihre Busflotten zu erneuern. CEO Roman Cornell erklärte, ABC Companies reagiere mit COR Transit auf entsprechende Kundenwünsche. Strategisch ist das durchaus interessant – insbesondere mit Blick auf die Geschichte von ABC Companies. Das Unternehmen kommt nicht aus dem klassischen Fahrzeugbau, sondern aus Vertrieb, Ersatzteilversorgung, Service, Aufarbeitung und technischem Support. Über ABC Parts Source beliefert das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 700 Verkehrsbetriebe mit Ersatzteilen.
Hinzu kommen zehn Standorte und mehr als 142 Servicebuchten. Dieses bestehende Netzwerk kann sich als Vorteil erweisen, wenn ABC künftig einen eigenen Linienbus anbietet. ABC Companies betont zugleich, dass auch nach dem Start der eigenen Produktion weiterhin Omnibusse anderer Hersteller vertrieben und Verkehrsbetriebe beim Betrieb ihrer Fahrzeuge unterstützt werden sollen. COR Transit versteht man ausdrücklich als Erweiterung des Geschäftsmodells, nicht als vollständigen Wechsel vom Vertrieb zum Fahrzeughersteller.
ABC Companies wurde 1972 gegründet und ist seit mehr als 50 Jahren im nordamerikanischen Busgeschäft aktiv. Fast wäre das Unternehmen bereits nach der Insolvenz von Van Hool im Jahr 2024 selbst in die Produktion eingestiegen: Gemeinsam mit der Dumarey Group hatte ABC Companies ein Übernahmeangebot für Van Hool abgegeben. Den Zuschlag erhielt letztlich VDL. Mit VDL führt ABC Companies heute die langjährige Partnerschaft rund um Van Hool im nordamerikanischen Markt fort.Mit COR Transit bekommt der nordamerikanische Transitbusmarkt nun allerdings nicht nur einen weiteren Anbieter.
Mit Solaris und VinFast drängen derzeit auch zwei weitere, außerhalb Nordamerikas beheimatete Hersteller auf den US-Markt. Der Zeitpunkt für einen neuen Anbieter ist durchaus interessant. 2025 wurden in Nordamerika 4.690 Transitbusse neu in Dienst gestellt, fünf Prozent mehr als 2024. Rund 87 Prozent davon entfielen auf die besonders wichtige Größenklasse von 35 bis 40 Fuß. Der Markt ist stark konzentriert: Gillig und New Flyer dominieren das Geschäft. Für 2025 lassen sich aus den verfügbaren Marktdaten grob Marktanteile von rund 35 Prozent für Gillig und etwa 40 bis 45 Prozent für New Flyer ableiten.
Eine vollständige, offiziell veröffentlichte Herstellerstatistik für die 4.690 Fahrzeuge gibt es allerdings nicht. Zusammen dürften die beiden Marktführer damit rund vier Fünftel des nordamerikanischen Transitbusmarktes auf sich vereinen. Andere Anbieter haben sich dagegen zurückgezogen oder ihre Position verloren. Nova Bus hat die Produktion für den US-Markt beendet. Proterra ist als eigenständiger Hersteller verschwunden und in der neuen Eigentümerstruktur um Rivaz aufgegangen. NABI wiederum ist bereits vor Jahren in New Flyer aufgegangen.
Zeit also für etwas Neues, wie es bei ABC Companies heißt. Interessant ist dabei auch die Antriebspolitik: Während Gillig und New Flyer – ebenso wie Solaris und VinFast – bereits mit Elektrobussen auf dem Markt vertreten sind, kündigt COR Transit zunächst ausdrücklich einen Dieselbus an. Und dafür gibt es weiterhin einen beträchtlichen Markt. Von den 4.690 in 2025 neu in Dienst gestellten Transitbussen waren 1.637 Zero-Emission-Fahrzeuge, also knapp 35 Prozent. Auf Diesel entfielen 1.584 Fahrzeuge, auf Hybridbusse 697 und auf CNG-Busse 772 Fahrzeuge.
Für einen neuen Dieselbus von COR Transit ist der Markt damit durchaus groß genug. Wenn COR Transit tatsächlich 2028 in die Serienproduktion geht, wird die entscheidende Frage deshalb weniger sein, ob es einen Markt gibt. Entscheidend wird vielmehr sein, ob ABC Companies einen Bus anbieten kann, der bei Anschaffungspreis, Lieferzeit, Ersatzteilversorgung und Wartung gegenüber den etablierten Anbietern New Flyer und Gillig einen echten Vorteil bietet. (ABC Companies/COR Transit/PM/Sr)