
Nach der Premiere auf der Busworld (Foto) zeigt Mercedes-Benz den eIntouro nun auch auf der FIAA in Madrid. Foto: Schreiber
Daimler Buses fährt nächste Woche auf der FIAA 2026 in Madrid dem neuen elektrischen Überlandbus eIntouro vor. Überlandbusse sind in Spanien ein wichtiger Bestandteil des öffentlichen Verkehrs, insbesondere außerhalb der großen Metropolen. Das gilt sowohl für regionale/kommunale Linienverkehre als auch für den länger laufenden Überlandverkehr. Ein gutes aktuelles Beispiel ist Madrid:
Das dortige interurbane Netz umfasst 2025 insgesamt 487 Linien und bedient alle 179 Gemeinden der Region. Für die kommende Konzessionsperiode sind außerdem höhere Frequenzen, Expressverbindungen und eine umfassende Flottenerneuerung vorgesehen. Und da passt ein batterielektrischer Bus perfekt. Die Nachfrage ist erheblich: Nach Angaben von IFEMA/ASCABUS erreichte der spanische Busverkehr 2025 mit 3,571 Milliarden Fahrgästen einen neuen Höchststand. Das unterstreicht die Bedeutung des (Überland-)Busses als Verkehrsmittel.
Interessant ist dabei die Struktur des Marktes: Spanien hat einen vergleichsweise großen Bestand an Fahrzeugen im interurbanen Verkehr. Das spanische Verkehrsministerium weist für den interurbanen Straßenpersonenverkehr ausdrücklich die Kategorie „Autocares“ aus. Gleichzeitig ist der Markt stark fragmentiert und regional bzw. über Konzessionen organisiert. Hier gibt es eine interessante aktuelle Zahl der Asociación Nacional de Fabricantes de Carrocerías y Buses (AScabus), den spanischen Verband der Bus- und Omnibusaufbauhersteller.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut Ascabus in Spanien 2.003 neue Busse zugelassen, davon: 1.603 interurbane Fahrzeuge sowie 400 urbane Fahrzeuge. Damit entfielen rund 80 % der Neuzulassungen auf den interurbanen Bereich. Für das Gesamtjahr 2025 veröffentlicht ANFAC dagegen eine andere Abgrenzung: Insgesamt wurden 4.400 Autobusse, Reisebusse und Minibusse neu zugelassen. Das waren 0,7 % mehr als 2024. Aber die Zahlen sind nicht deutlich differneziert, denn die Asociación Española de Fabricantes de Automóviles y Camiones (Anfac), der spanische Verband der Automobil- und Nutzfahrzeughersteller, weist in der Jahresmeldung nicht separat aus, wie viele davon interurbane Fahrzeuge waren.
Für 2023 meldete die ANFAC 32.454 Einheiten in der übergeordneten Kategorie Industriefahrzeuge, Busse, Reisebusse und Minibusse, davon 28.685 Industriefahrzeuge. Daraus ergibt sich für Busse/Autobusse/Minibusse eine deutlich kleinere Zahl; deshalb sollte man die 32.454 nicht als Buszulassungen verwenden. Für 2024 und 2025 liegen die sauber vergleichbaren ANFAC-Zahlen bei rund 4.400 Fahrzeugen pro Jahr. ANFAC nennt für 2025 exakt 4.400 und für 2024 ebenfalls eine Größenordnung von 4.400.
Der Elektrifizierungsbericht von ANFAC für 2024 trennt ausdrücklich zwischen Autobussen/Reisebussen interurban und Autobussen/Reisebussen urban sowie Minibussen. Bei den interurbanen Fahrzeugen lag der Anteil elektrifizierter Neuzulassungen 2024 lediglich bei 0,6 %, während er bei den urbanen Bussen bereits 45,8 % erreichte. Das ist für den spanischen Markt ein wichtiger Punkt: Der große Elektrifizierungsschub findet bislang vor allem im Stadtverkehr statt. Bei Überlandfahrzeugen spielen Reichweite, Topografie, Umläufe und fehlende Ladeinfrastruktur eine größere Rolle.
Gleichzeitig beginnt sich das zu ändern. Im November 2025 wurde in Madrid beispielsweise der erste 100 % elektrische Bus für einen interurbanen Langstreckenverkehr vorgestellt. Das Fahrzeug fährt auf der Linie Madrid–Tarancón, verfügt über 58 Sitzplätze und eine angegebene Reichweite von 365 km pro Tag. Der Interurbanverkehr hat eine erhebliche Bedeutung und stellt einen großen Teil des Neufahrzeugbedarfs dar. Gleichzeitig ist gerade dieser Bereich bei der Elektrifizierung deutlich zurückhaltender als der Stadtverkehr.