Die Ehrung der Jubilarinnen 2018 durch Jutta Benz (Mitte ohne Blumen), Dr. Marcus Nicolai (1. von links) und Andreas Moch (1. von rechts). Foto: Daimler

Insgesamt 253 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Daimler Standorts Mannheim wurden am 7. Dezember 2018 für ihre langjährige Betriebs­zugehörigkeit ausgezeichnet. Im Rahmen einer Feierstunde in der Maimarkthalle würdigte Andreas Moch, Standortverantwortlicher Mercedes-Benz Werk Mannheim, sowie Dr. Marcus Nicolai, Leiter Produktion Daimler Buses, das Engagement und die Zuverlässigkeit der Kollegen. Als Ehrengast sprach Jutta Benz, Urenkelin von Bertha und Carl Benz, die über die langjährige Tradition des Standortes sprach und auch ausdrücklich die Leistung der Frauen hervorhob. Als weitere Ehrengäste nahmen an der Feier Michael Grötsch, Bürgermeister der Stadt Mannheim, und Michael Brecht, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Daimler AG, teil. Einen ganz besonderen Meilenstein von 50 Jahren Betriebszugehörigkeit feierte Agnes Lorbacher, Mitarbeiterin des EvoBus Werks in Mannheim. Andreas Moch würdigte die Jubilare für ihre Leistung und Identifikation mit dem Standort: „Die Grundlage unserer traditionsreichen Geschichte und erfolgreichen Zukunft waren und sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Mercedes-Benz Werk Mannheim. Ihrem Engagement, Ihrer Kompetenz und Erfahrung ist es zu verdanken, dass wir unsere Kunden pünktlich mit Motoren in Spitzenqualität versorgen können. Dafür möchte ich mich im Namen des Vorstands ausdrücklich bedanken.“ Dr. Marcus Nicolai, Leiter Produktion Daimler Buses, dankte in seiner Rede den Jubilaren für ihre Leistung und Treue der vergangenen Jahrzehnte: „Sie – liebe Jubilarinnen und Jubilare – haben nicht nur ein gutes Stück Geschichte unseres Standortes miterlebt, sondern auch mit geschrieben. Mit Ihrem Engagement, Ihrem Einsatz und Ihrer Persönlichkeit haben Sie das Unternehmen auf Ihre Weise geprägt und vorangebracht. Davon lebt unser Standort und dafür möchten wir uns ganz herzlich bei Ihnen bedanken.“ Tief in die Historie reichen die Wurzeln des Werks Mannheim, das den heutigen Lkw und Bussen von Mercedes-Benz die Motoren liefert. Im Jahr 1908 beginnt die Produktion in diesem neu gebauten Werk der Aktiengesellschaft Benz & Cie., Rheinische Gasmotoren-Fabrik in Mannheim.

Pioniergeist bei Daimler: Die Geschichte der Berufsausbildung am Standort Mannheim begann im März 1916 mit der Gründung einer Lehrwerkstatt bei Benz & Cie. Foto: Daimler

Offiziell eingeweiht wird die Anlage auf dem Luzenberg in Mannheim-Waldhof am 12. Oktober 1908. Zu diesem Zeitpunkt sind rund 35 000 m2 mit Fabrikgebäuden überbaut. Zu den wichtigsten Innovationen der Nachkriegszeit bei Benz & Cie. gehört die Arbeit an Fahrzeug-Dieselmotoren. Die Grundlagen für die neue Technik schafft der Dieselpionier Prosper L’Orange, der seit 1908 bei Benz als Leiter des Motorenversuchs arbeitet. 1909 entdeckt er das Vorkammerprinzip, 1919 folgt die Nadel-Einspritzdüse und 1921 die regelbare Einspritzpumpe. Das erste Landfahrzeug, das mit einem Dieselmotor ausgestattet ist, kommt denn auch aus Mannheim: 1922 stellt Benz & Cie. einen zusammen mit dem Münchener Landmaschinenhersteller Sendling entwickelten Dreirad-Acker­schlepper vor. Am 14. April 1923 beschließt Benz & Cie., nach erfolgreicher Einführung des Diesel-Vorkammer-Prinzips, die Serienfertigung eines Vierzylinder-Diesel­motors aufzunehmen. Der Typ OM 2 leistet zunächst 45 PS (33 kW) bei 1000/min. Diese ersten Diesel-Lkw der Welt kommen als Versuchsfahrzeuge auch im Mannheimer Werksverkehr zum Einsatz. In Serie geht der Lkw dann 1924 mit einer auf 50 PS (37 kW) gesteigerten Leistung. Im Mai 1924 gehen die Unternehmen Daimler Motoren Gesellschaft (DMG) und Benz & Cie. einen Vertrag ein, der eine Interessengemeinschaft besiegelt. Beide Hersteller wollen auf dem schwierigen deutschen Automarkt Synergien nutzen, statt sich gegenseitig in identischen Marktsegmenten Konkurrenz zu machen. Am 28./29. Juni 1926 wird die Fusion zwischen der DMG und Benz & Cie. vollzogen. Benz & Cie. bringt in die Hochzeit zwei Standorte ein: Die Aktiengesellschaft Benz & Cie., Rheinische Automobil- und Motorenfabrik, Mannheim, sowie die Benzwerke Gaggenau. Die DMG führt die Werke Untertürkheim, Marienfelde und Sindelfingen in das neue Unternehmen über. Mannheim ist nach dem 2. Weltkrieg der erste Standort der Daimler-Benz AG, an dem die Produktion wieder aufgenommen wird. Parallel zur Herstellung einer Lizenzversion des Opel Blitz läuft der Wiederaufbau des Werks. Die Nachfrage für die zunächst 20 Lastwagen am Tag ist groß: Weil Eisenbahn und Schifffahrt die Versorgung der Städte mit Lebensmitteln und anderen notwendigen Verbrauchsgütern nicht leisten können, werden Nutzfahrzeuge dringend benötigt. Im Sommer 1949 hat dann aber der neue Mercedes-Benz Lastwagen L 3250 sein Debüt. Das ist eine der wichtigsten Grundlagen für die Entwicklung des modernen Nutzfahrzeugprogramms von Mercedes-Benz: Der L 3250 gilt als Wegbereiter für den Aufstieg von Mercedes-Benz zum europäischen Markt­führer bei Lastwagen der mittleren Gewichtsklasse. Im März 1951 konzentriert Mercedes-Benz schließlich die Omnibusproduktion ganz in Mannheim. Hier entstehen aber auch weiterhin mittelschwere Last­wagen, so zum Beispiel der Typ L 4500, der im März 1953 auf der Internatio­nalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt sein Debüt hat. Dieser 4,5-Tonner ergänzt den bewährten 3,5-Tonner L 3500 im Mannheimer Programm. Ein wichtiger Baustein in diesem Vorzeigewerk ist die Gießerei, die Mercedes-Benz 1965 in Mannheim eröffnet und die bis heute zu den weltweit führenden Herstellern von Fahrzeuggusselementen aus Eisen gehört. Baube­ginn ist 1962, bei ihrer Eröffnung gilt die Gießerei als modernste Anlage ihrer Art in ganz Europa. Das Werk konzentriert sich im Rahmen der Nutzfahrzeug-Neuordnung auf den Motorengrauguss, den Bau von Nutzfahrzeug-Motoren und auf den Omnibusbau. In der neuen Montageordnung des Mercedes-Benz Nutzfahrzeugbereichs übernimmt Mannheim die zentrale Motorenproduktion. Zu den hier gebauten Triebwerken gehören von 1972 an auch die Aggregate der neuen Generation von Nutzfahrzeug-Dieselmotoren, Baureihe OM 400. Darunter auch der legen­däre OM 403, der Zehnzylinder für den 1632. Ein beliebtes Sammlerstück in der Klassiker-Szene und mancherorts noch stramm im Alltagseinsatz. Schon 1975 verlässt der einmillionste Nutzfahrzeug-Dieselmotor das Mannheimer Montageband. Im Jahr 2016 konnte das Produktionsjubiläum des einmillionsten Motors der Baureihe OM 500 gefeiert werden. Inzwischen ist bereits die erste Evolutionsstufe des neuen Bestsellers am Start. Nochmals abgesenkte Betriebsdrehzahlen sind auch Ergebnis des nun selbst entwickelten, in Mannheim auch selbst gefertigten Turboladers. Zudem wurde die Abgasrückführung komplett neu ausgelegt und damit im Wirkungsgrad deutlich verbessert. Als neues Spitzenmodell ist die 390 kW Version (530 PS, 2600 Nm) im Actros 1853 auf der Retro Classics 2017 ausgestellt. Während der hubraumstarke OM 473 mit bis zu 460 kW (626 PS, 3000 Nm) die obere Leistungsliga bedient, ist der neue Reihensechszylinder OM 936 ein Vertreter der Vier- und Sechszylindergeneration OM 93x mit einem Arbeits­volumen von 1,3 l je Zylinder. Die Neukonstruktion verfügt über zahlreiche technische Finessen, etwa einen Einspritzdruck von maximal 2400 bar der Common-Rail-Einspritzung oder die weltweit erste verstellbare Auslassnocken­welle in einem Dieselmotor. Das Leistungsspektrum reicht bis 220 kW (299 PS). Ob OM 936, OM 470, OM 471 oder der neue OM 473 – alle Motoren entspre­chen bereits der Abgasstufe Euro VI. Sie bringen Blue-Efficiency-Power mit Common-Rail-Einspritzung, ein geschlossenes Partikelfiltersystem und Abgasrückführung. Die Reinigung der Abgase erfolgt durch die BlueTec 6-Technologie mit SCR-Technik mit AdBlue-Einspritzung, ein Oxidations­katalysator und der Partikelfilter sind nachgeschaltet. Neben der Motorenfertigung hat auch die Aufbereitung von Triebwerken für Nutzfahrzeuge und Personenkraftwagen ihren festen Platz im Mannheimer Werk von Mercedes-Benz. Denn bei Nutzfahrzeugen mit ihrer langen Lebens­dauer ist es gang und gäbe, das Antriebsaggregat bei Bedarf nicht gegen einen neuen Motor, sondern gegen ein generalüberholtes und somit neuwertiges Exemplar auszutauschen. Dabei spielt auch der Zeitvorteil eine große Rolle: Das Auswechseln eines Motors vollzieht sich häufig schneller als die Reparatur eines defekten Aggregats. Die Tauschmotoren entsprechen technisch dem Stand neuer Serienmotoren, sind also auf dem aktuellsten Entwicklungsniveau, und sie enthalten grundsätzlich nur Mercedes-Benz Originalteile. Deshalb erreichen Tauschmotoren die gleiche Laufleistung wie neue Aggregate und erhalten ebenfalls die gleiche Garantie. Bereits im Jahr 2006 feierte das Unternehmen den Bandablauf des 500 000sten Tauschmotors in Mannheim. Und weil die Elektromobilität trotz aller Euphorie nicht so schnell den Dieselmotor ersetzen wird, wird er weiterherhin ein Standbein in Mannheim bleiben, auch wenn jetzt ab ende des Jahres die eCitaro-Produktion in Mannheim beginnt. Der Elektrobus wird auf der selben Produktionsstraße gefertigt wie die Diesel-Citaro. Dabei dauert die Produktion eines Elektro-Busses noch deutlich länger als die Fertigung eines Diesel-Fahrzeugs, denn die Technik ist deutlich komplexer: So sind beispielsweise viele Module auf das Dach des Fahrzeugs gewandert, außerdem ist viel mehr Elektro-Technik an Bord. Das höhere Gewicht, das vor allem durch die schweren Batterien entsteht, führt dazu, dass die Achsen anders konzipiert sind. Kleine, aber feine Unterschiede. Bei Daimler Buses geht man davon aus, dass bis zum Jahr 2030 rund zwei Drittel aller Stadtbusse über alternative Antriebe verfügen werden – und dann dank Strom aus erneuerbaren Energien emissionsfrei unterwegs sind. Und weil der Umstieg der Kunden auf E-Mobilität im öffentlichen Nahverkehr viele Jahre brauchen wird, sollte man keinen Abgesang auf die Diesel-Technologie einstimmen. Denn nur in Westeuropa werden bis zum Jahr 2030 vielleicht zwei Drittel der Stadtbusse mit alternativen Antrieben unterwegs sein, der Weg zur E-Mobilität in Asien oder in Afrika wird viel länger dauern. Deshalb wird man bei Daimler auch nicht aufhören, Dieselmotoren zu bauen und diese stets besser zu machen.

Die größe des Standortes wird erst durch ein Luftbild deutlich… Foto: Daimler

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