Der Busmarkt in Lateinamerika erlaubt seit Jahren keine guten Geschäfte, da sind sich aller Hersteller einig. Die wirtschaftliche Situation des Landes hat in den letzten Jahren immer wieder rückläufige Zahlen für das Busgeschäft aller Anbieter gebracht. Nach den deutlichen Rückgängen in den Vorjahren geht Daimler Buses davon aus, dass die Talsohle im Jahr 2016 erreicht wurde. Insbesondere in Brasilien wird für das Jahr 2017 eine deutliche Erholung auf weiterhin sehr niedrigem Niveau erwartet. So langsam scheint eine Wende einzutreten: Mercedes-Benz do Brasil hat im Juni diesen Jahres 200 Stadtbusse an die im Nordosten gelegene Hafenstadt Recife verkauft. Jetzt kommen noch einmal 72 Doppeldeckerbusse dazu, die an Reiseveranstalter aus dem Bundesstaat Rio Grande do Sul verkauft wurden.

Großauftrag bei Mercedes-Benz do Brasil: 72 Doppeldecker wurden jetzt bestellt. Foto: Daimler

Den Aufbau lieferte der brasilianische Aufbauhersteller Marcopolo S.A.. Das Unternehmen zählt, wie Daimler Buses, zu den Busriesen. Der größte Bushersteller Südamerikas blickt auf eine fast 70-jährige Geschichte zurück. Bis 1971 hieß das Unternehmen Nicoloa & Cia Ltda, bevor es mit dem erfolgreichen Bus namens Marcopolo landesweit zum Inbegriff für Personenbeförderung wurde. Über 350.000 Omnibusse hat Marcopolo seither gebaut. Heute umfasst die Produktpalette Midi, Stadt-, Überland- und Reisebusse. Die Brasilianer bauen aber nicht nur im eigenen Land, sondern fertigen auch in Argentinien, Mexiko, Kolumbien, Südafrika, Ägypten, Indien und China. Doppeldecker sind in Ländern wie Brasilien besonders wichtig, wo sich die öffentlichen Verkehrssysteme mit hohem Passagieraufkommen auseinandersetzen müssen. In Brasilien wird der Doppeldecker Paradiso 1800 DD im Fernbuslinienverkehr eingesetzt. Der Doppeldecker von Marcopolo bietet auf einer Länge von 14 Metern 55 Personen Platz. Im Unterdeck gibt es eine 2+1 Bestuhlung, im Oberdeck wird traditionell 2+2 bestuhlt.

Bequemes Sitzen und bei der Unterhaltung keine Kompromisse. Marcopolo bietet auch hier reichliche Optionen. Foto: Marcopolo

Die Bestuhlung des 2,6m breiten und 4,1m hohen Doppeldeckers erfolgt bei Marcopolo aber immer nach Kundenwunsch, wobei gerade im Fernbuslinienverkehr für Doppeldecker eine Teilbestuhlung mit 2+1 zum Standard gehört, die als eine eigene Klasse vermarktet wird. Hierzu zählen dann auch oft zwei Sanitärräume (für Männer und Frauen), eine Küche und Liegesitze, die zu einer horizontalen Liegefläche umgebaut werden können. In dieser Unterdeck gibt es dann nur noch 9 Plätze. Zum Standard zählt die dreiachsige Version, für Bergstrecken gibt es aber auch vier Achsen, weil die zweite Vorderachse für bessere Bodenhaftung bei steilen Strecken sorgt. Die Bestellung der 72 Doppeldeckerbusse reiht sich in eine erfreuliche Serie an Großaufträgen für die Bussparte von Mercedes-Benz do Brasil ein. In den ersten drei Quartalen 2017 konnte Mercedes-Benz do Brasil mit rund 9.500 Einheiten 29 Prozent mehr Busse in Lateinamerika (ohne Mexiko) absetzen als im Vorjahreszeitraum. Bei Neuverkäufen lag die Daimler Tochter in den vergangenen vier Monaten wieder leicht im Plus. Insgesamt rechnet Mercedes-Benz für den brasilianischen Busmarkt mit einer deutlichen Erholung auf weiterhin niedrigem Niveau. Mit 51,7 Prozent Marktanteil ist Mercedes-Benz in diesem 2. Quartal nach wie vor unangefochtener Marktführer in Brasilien.

In Fernbussen Südamerikas sitzen fast immer zwei Busfahrer – abgetrennt vom Fahrgastbereich. Foto: Marcopolo

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