Der Nachbau der 1. Motor-Omnibusses steht am Deuzer Bahnhof. Foto: Schreiber

Vor 125 Jahren, am 12. März 1895, lieferte der Automobilhersteller Benz & Cie. Rheinische Gasmotoren Fabrik den ersten Omnibus mit Verbrennungsmotor aus. Die große Jubiläumsfeier, die letztes Wochenende stattfinden sollte, wurde in Zeiten des Coronavirus versoben, einen neuen Termin will die Veranstaltergemeinschaft bestehend aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein, der Stadt Siegen und der Stadt Netphen rechtzeitig bekanntgeben. Zum 100. Geburtstag kamen über 100.000 Menschen, um eine nie zuvor im wahrsten Sinne bewegte Ansammlung von Oldtimern zu bestaunen. Und nie zuvor hatten so viele Sammler ihre wertvollen, liebevoll erhaltenen und restaurierten Oldtimer-Schätze zu einer Veranstaltung gebracht. Das sollte in diesem Jahr zum 125. Geburtstag noch einmal gesteigert werden, um das Jubiläum noch feiern zu können, gilt jetzt: #wirbleibenzuhause! Machen Sie mit und setzen Sie gemeinsam mit vielen anderen ein Zeichen der Solidarität und des Zusammenhalts! Damit sich das Virus langsamer verbreitet. Wer sich schützt, schützt auch andere. Vor allem unsere Älteren und gesundheitlich vorbelasteten Mitmenschen jeden Alters. Und gerade die “Oldtimer” sind es, die besondere Gesichten aus der Welt der Omnibusse erzählen können und auch zukünftig noch erzählen sollen. Vor über 125 Jahren hat Deuz Geschichte geschrieben: Am 18.03.1895 wurde zwischen Siegen und der damals noch selbstständigen Gemeinde Deuz, welche heute zu Netphen gehört, durch die Netphener Omnibusgesellschaft die erste motorisierte Omnibuslinie der Welt eröffnet. Junge Siegerländer Unternehmer um die Herren Hüttenhain und Hautschbach hatten die Idee und gründeten die „Netphener Omnibusgesellschaft“ – die erste deutsche ÖPNV AG und stellten so die Weichen für die durchaus sensationelle Entwicklung des ersten Motoromnibusses der Welt. Für mehrere Tausend Mark wurde in Mannheim der erste Motor-Omnibus in Auftrag gegeben, wie der Förderverein Bahnhof Deuz e.V. in seiner Chronik berichtet. Der 3,5m lange und 2m breite Omnibus war optisch noch sehr an der Formensprache einer Kutsche angelehnt, hatte aber immerhin schon verglaste Fenster und eine Heizung! Sechs Fahrgäste fanden einen Sitzplatz im Fahrgastraum, auf dem Führerstand konnten zwei weitere Fahrgäste noch einen Platz bekommen. So beförderte der 1. Motor-Omnibus in Deutschland  ganze elf Personen – einschließlich des Fahrers. Am Heck und auf dem Dach des Omnibusses befand sich der Stauraum für das Gepäck. Die Chronisten des Fördervereins wissen zu berichten, dass der Betrieb zwischen 6:45 Uhr am Morgen und 20:55 Uhr am Abend stattfand. Für die 15 km lange Fahrstrecke benötigte der Omnibus rund eine Stunde und 20 Minuten, woraus sich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 14 km/h ergab. Die Beförderung kostete umgerechnet 4 bis 5 Pfennig pro Kilometer. Der erste Motor-Omnibus der Welt im Liniendienst wurde von Karl Otto aus Nauholz gefahren, der das Fahren wohl nie vergessen haben dürfte: Im Streckenverlauf befanden sich zwei Steigungsstrecken, welche zu steil waren oder die Motorleistung dafür zu gering. So kam es immer wieder einmal vor, dass die Fahrgäste an diesen Stellen aussteigen mussten, um den Omnibus bergauf fahren zu lassen, wie den Aufzeichnungen des Fördervereins zu entnehmen ist. Verbaut wurde ein liegender Einzylindermotor im Heck mit stehendem Schwungrad und 2,9 Litern Hubraum. Der Motor mit automatischem Ansaugventil und gesteuertem Auslassventil leistete 3,7 kW (5 PS). Gekühlt wurde er über eine Verdampfungskühlung, als Zündung wird eine batteriegespeiste elektrische Hochspannungs-Summerzündung eingesetzt. Die Begegnungen mit den Postkutschen auf der Strecke seien auch nicht unproblematisch gewesen. Von Augenzeugen wurde berichtet, dass der Kutscher Schwierigkeiten hatte, die Pferde in der Spur zu halten. Ein weiteres Problem bereiteten dan noch die Vollgummireifen: Da diese häufig von der Felge absprangen und man dies nicht in den Griff bekam, wurden die bewährten Eisenreifen der Postkutschen verbaut. Nicht einmal ein halbes Jahr später schafften die omnibusbegeisterten Herren Hüttenhain und Hautschbach aus Netphen zusammen mit Otto Irle und H.T. Kleun aus Deuz einen zweiten Omnibus an, um die tägliche Verfügbarkeit sicherstellen zu können. Binnen dieser wenigen Monaten war die Resonanz groß, statt die Bergetape zu Fuß zu bewältigen nutzen über 10.000 Fahrgäste lieber den Omnibus. Ende 1895 wurde der Betrieb der Motor-Omnibusse eingestellt, fortan ging es wieder mit Pferdeomnibussen über die Berge. Heute erinnert ein Glaspavillon am Deuzer Bahnhof mit einem Nachbau des 1. Motor-Omnibusses an den Ursprung des Linienbusverkehrs mit dem ersten Motor-Omnibus auf der Linie Siegen und Deuz. Initiator des Glaspavillons war der Förderverein Bahnhof Deuz e.V., der mit Hilfe entsprechender Sponsoren den Bau errichten ließ. Die Firma Walzen Irle GmbH als Eigentümer des Nachbaus stellt das Objekt der Begierde als Leihgabe dafür zur Verfügung. (Daimler/Stadt Nepthen/Förderverein Bahnhof Deuz/PM/Schreiber)

Ein Nachbau ist heute im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart im Mythosraum 1 ausgestellt. Foto: Daimler

 

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