Joachim Jumpertz (rechts im Bild) sorgte mit einem Mitarbeiter aus seinem Busbetrieb auf der BDO-Bus-Demo am 27.5. mit einer großen Karikatur für Aufsehen. Foto: Schreiber

Die Karikatur von Lutz Kammermeier macht aktuell in den sozialen Medien die Runde und zeigt, dass Verbände und Initiativen unterschiedliche Forderungen haben. Foto: Jumpertz

Joachim Jumpertz ist Busunternehmer aus Leidenschaft. Und Leiden schafft gerade im wahrsten Sinne das Tagesgeschäft, das für die Busbranche alles andere als erfreulich ist. Um auf seine und die existenzbedrohende Situation vieler Kollegen aufmerksam zu machen, hat sich der Busunternehmer aus Düren der europaweit agierenden #honkforhope-Initiative, die mit Alexander Ehrlich ein Geschäftspartner von Jumpertz aus Österreich ins Leben rief, angeschlossen. Joachim Jumpertz ist sozusagen die deutsche Stimme der #honkforhope-Initiative und steht im Zusammenhang mit Bus-Demonstrationen sowie Petitionen für das gegnerische Lager zum Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer. omnibus.news sprach mit Joachim Jumpertz, der in Berlin auf der BDO-Bus-Demo mit der aus den sozialen Medien gut bekannten Karikatur für Aufsehen sorgte, über die Stimmung und die Zukunft der Busbranche sowie seine Sicht auf die geleistete Arbeit des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer.

: Statt Verbandsarbeit setzen Sie auf Eigeninitiative und soziale Medien, dazu eine eigene Bus-Demo und die Übergabe einer Petition – war Ihr Vorgehen erfolgversprechender?

Jumpertz: Von einem Erfolg möchte ich erst reden, wenn unsere Kolleginnen und Kollegen tatsächlich so entschädigt werden, das sie wieder eine Perspektive haben. Stand heute haben wir dieses Ziel noch nicht erreicht. Deutlich zu spüren aber ist der Druck, den unsere Bewegung erzeugt hat. Wir haben es geschafft, bis in die hohe Politik durchzudringen. Honkforhope wird nicht als ein wahllos zusammengewürfelter und strukturloser ‚Haufen gewaltbereiter Chaoten‘ wahrgenommen.

: Mit der Karikatur von Lutz Kammermeier haben Sie am 27. Mai in Berlin im Umfeld der Bus-Korsos der Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer im wahrsten Sinne die Fahne hochgehalten, um…

Jumpertz: …klar zu machen, das 170 Mio. Euro nicht reichen. Die von uns geforderte Summe in Höhe von 456 Mio. Euro beziffert den tatsächlichen Ausfallschaden von Mitte März bis Ende Mai. Im Übrigen ist er ja noch deutlich höher, da wir davon ausgehen, das bis zu Beginn der neuen Saison in 2021 allenfalls 30% des Monatsumsatzes früherer Jahre erzielt werden können. Und dann reden wir von fast 1,5 Mrd. Euro. Mit dem neuen Konjunkturprogramm UND den geforderten 456 Mio sind wir überlebensfähig.

: Welche Versäumnisse sehen Sie beim Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer?

Jumpertz: Ich könnte jetzt sarkastisch antworten und fragen: “Wer ist der BDO?” Das sagt schon einiges aus. Gebe aber gerne zu, das dies ein wenig überzogen klingt. Aber es ist so, dass der BDO viel zu spät reagiert hat und dann auch noch falsche Signale gesetzt hat, wie stellvertretend die Absage am 14.05. mit der Argumentation, es sei mit Krawallen zu rechnen. Ihre Schreiben an die Kanzlerin und die weitere Demo am 27.05. sowie eine offensichtliche weitere Kundgebung am 17.06. sind natürlich begrüßenswerte Vorhaben. Aber um sich mit Forderungen durchsetzen zu können braucht es Führungspersönlichkeiten, die ernst genommen werden. Aussagen über die psychischen Befindlichkeiten des Fahrpersonals oder Statements über geeignete Filter bzw. Klimaanlagen sind definitiv nicht zielführend.

: Und deshalb ist die finanzielle Unterstützung der Busbranche im jetzt vorgelegten Konjunkturpaket auch so gering?

Jumpertz: Offensichtlich ist das so. Das Konjunkturpaket berücksichtigt nicht die busspezifischen Probleme unserer Kolleginnen und Kollegen. Die meisten von uns mit weniger als 10 Mitarbeitern erhalten danach max. 15.000 Euro. Angesichts der Höhe des Schadens nur ein Almosen. Schließlich sind die Fixkosten eines Busbetriebs überwiegend um ein Vielfaches höher als die anderer Branchen. Um keine Missverständnisse entstehen zu lassen: Ich begrüße das Konjunkturprogramm! Betrachte es aber völlig unabhängig von unserer Forderung, uns den direkten Schaden von Mitte März bis heute zu ersetzen, den wir bis zum 28.05. mit 456 Mio. Euro beziffert hatten.

: Die Zukunft der Busbranche…

Jumpertz: Gehe ich vom “Worst Case Szenario” aus, also keine Entschädigung von Mitte März bis heute, dann werden bis zum Beginn der neuen Saison 2021 ein Drittel der Betriebe schließen. Die anderen zwei Drittel werden aber auch unpopuläre Maßnahmen treffen müssen wie Personalentlassungen, Fahrzeugrückgaben usw.. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Betriebe wird deutlich niedriger sein. Wie sich das auf die Wertschöpfungskette aller von den Busbetrieben zumindest teilweise abhängigen Betriebe wie Hotels, Gaststätten, Freizeitparks, Finanzdienstleister usw. auswirken wird, vermag ich in Zahlen nicht zu beurteilen. Eine Entschädigung bis heute ist daher absolut alternativlos und gewinnbringend für ALLE.

: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Jumpertz!

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