
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hat sich bei der Eröffnungsfeier der IAA Transportation 2026 heute Vormittag zu Elektro- und Wasserstoffantrieben bei Nutzfahrzeugen geäußert – im Mittelpunkt standen dabei allerdings nur Lkw. Foto: VDA
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hat sich bei der Eröffnungsfeier der IAA Transportation 2026 heute Vormittag zu Elektro- und Wasserstoffantrieben bei Nutzfahrzeugen geäußert – im Mittelpunkt standen dabei allerdings nur Lkw. Bilger betonte in seiner Rede ausdrücklich, man setze „nicht nur auf eine einzelne Antriebstechnologie“. In Deutschland seien bereits mehr als 120.000 elektrische Nutzfahrzeuge im täglichen Einsatz, darunter mehr als 14.000 mittlere und schwere Nutzfahrzeuge.
„Der Hochlauf der E-Mobilität geht voran! Eine flächendeckende, bedarfsgerechte und nutzerfreundliche Ladeinfrastruktur für E-Lkw trägt maßgeblich dazu bei, dass Elektromobilität im Alltag von Transportunternehmen funktioniert. Wir stellen daher für den Aufbau eines Lkw-Schnellladenetzes rund eine Milliarde Euro zur Verfügung und starten jetzt mit der konkreten Umsetzung von Schnellladesäulen an 124 unbewirtschafteten Rastanlagen“, so Bilger.
Für das bundesweite Lkw-Schnellladenetz sind rund eine Milliarde Euro vorgesehen. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums (BMV) sollen an den Standorten insgesamt rund 1.800 MCS-Ladepunkte und rund 2.400 CCS-Ladepunkte errichtet und betrieben werden. Darüber hinaus sollen mit Bundesförderung mindestens 35 Wasserstofftankstellen entstehen. Die Anschaffung von rund 500 klimafreundlichen Nutzfahrzeugen soll ebenfalls unterstützt werden.
Bemerkenswert: Bilger stellte Wasserstoff ausdrücklich neben die Elektromobilität und kündigte damit eine parallele Förderung unterschiedlicher Antriebstechnologien an. Das BMV hat gemeinsam mit der Autobahn GmbH des Bundes und der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur unter dem Dach der NOW GmbH ein bundesweites Lkw-Schnellladenetz entlang der Bundesautobahnen konzipiert. Die Infrastruktur ist auf die Anforderungen des elektrischen Straßengüterverkehrs zugeschnitten.
Sie soll sowohl das Zwischenladen während Fahrtunterbrechungen als auch das Laden während längerer Ruhezeiten ermöglichen. Omnibusse spielen in diesem Konzept allerdings keine Rolle. BEV- und FCEV-Omnibusse – insbesondere batterieelektrische Reisebusse – benötigen ebenfalls eine leistungsfähige Lade- beziehungsweise Betankungsinfrastruktur. Diese muss jedoch vielfach abseits der Autobahnen verfügbar sein: an Betriebshöfen, ZOBs, touristischen Zielen und Busparkplätzen.
Der Bedarf ist erheblich. Für 2030 werden in Europa nach einer Analyse der Association des Constructeurs Européens d’Automobiles (ACEA) bis zu 56.000 Ladepunkte für Busse erwartet. Rund 92 Prozent davon – etwa 52.000 Ladepunkte – würden an Betriebshöfen beziehungsweise Flottenstandorten benötigt. Etwa 4.000 öffentliche Schnellladepunkte wären vor allem für Regional- und Reisebusse relevant. Auf die E-Buswelt ging Bundesverkehrsminister Bilger bei seiner IAA-Rede nicht ein. Dafür äußern sich die Hersteller von Elektrobussen umso deutlicher.
Till Oberwörder, CEO von Daimler Buses, hatte bereits vor mehr als einem Jahr darauf hingewiesen, dass der Aufbau der notwendigen öffentlichen Ladeinfrastruktur zu langsam vorankomme. Für den elektrischen Reiseverkehr zu entlegeneren Zielen sei ein flächendeckendes öffentliches Ladenetz erforderlich. Daimler Buses zieht daraus inzwischen Konsequenzen und errichtet selbst öffentliche Ladesäulen für Elektrobusse. Im Fokus stehen hochfrequentierte touristische Standorte in Europa – etwa Busparkplätze bei Freizeitparks oder in Städten.
Damit will Daimler Buses den Aufbau leistungsfähiger Ladeinfrastruktur abseits der Autobahnen in den kommenden Jahren vorantreiben. Denn während das Schnellladenetz für E-Lkw entlang der Autobahnen jetzt konkrete Formen annimmt, steht eine vergleichbare Infrastruktur für Elektrobusse vielerorts noch am Anfang. Gerade für den elektrischen Reisebusverkehr entscheidet sich damit eine zentrale Frage: Nicht nur, ob ein Elektrobus gebaut werden kann – sondern auch, ob er sein Ziel tatsächlich erreicht und dort wieder laden kann. (ACEA/VDA/BMV/Daimler Truck/PM/Sr)