
Auch Karsan aus der Türkei könnte neue FCEV-Busse der e-Ata-Baureihe nach Rom liefern… Foto: Schreiber; Fotomontage: omnibus.news
english text below – Ein Teil der Buswelt blickt nach Rom – wer einen FCEV-Linienbus im Portfolio hat, wartet auf die Ausschreibung der Azienda per i Trasporti Autoferrotranviari del Comune di Roma (ATAC) für die ersten 30 FCEV-Linienbusse. Die gestrige Meldung über 110 Mio. Euro, die die ATAC in lokal emissionsfreie Linienbusse investieren will, lässt die Busbranche aufhorchen. Noch gibt es Ausschreibung mit technischen Spezifikationen, Losgröße, Stückpreis, Wartungsvertrag und Liefertermin. Wer könnte die gewünschten FCEV-Linienbusse nach Rom liefern?
Karsan könnte, denn der türkische Bushersteller lieferte 2025 insgesamt 165 Omnibusse (Statistik der ANIFA) nach Italien, was einem Marktanteil von 3,5 Prozent entspricht. Schaut man in das Segment der lokal emissionsfreien Neuzulassungen, dann sind die 165 BEV-Busse bei 1.373 neuen Elektrobussen schon ein Marktanteil von 12 Prozent. Beim Herstellerranking über alle Antriebe kommt Karsan in Italien in 2025 auf Platz 7 hinter Iveco Bus 2.234), Mercedes-Benz (851), Solaris (348), Scania (246), MAN (217) und Ford (212). Die ANFIA veröffentlichte diese Zahlen auf Grundlage der Angaben des italienischen Verkehrsministeriums, das Omnibusse ab 3,5t zählt.
Die meisten Fahrzeuge (156) stammen aus der e-Atak-Baureihe. Bei batterieelektrischen Stadt- und Midibussen spielt Karsan in Italien eine wichtige Rolle. Und über das einstige Engagement und die Beteiligung an der Industria Italiana Autobus (IIA) ist sich der türkische Bushersteller ein positives Image aufgebaut. Die IIA wurde 2024 von der italienischen Seri Industrial Group übernommen und im Oktober desselben Jahres offiziell in Menarini S.p.A. umbenannt. Karsans Portfolio bietet mit dem e-Ata Hydrogen ein passendes Fahrzeug.
Auch die technischen Daten dürften stimmen: 12,22 m Länge, Vollniederflur, Klasse I, 97-kW-Brennstoffzelle, 1.687 l H₂, 43,5-kWh-LTO-Batterie, 250-kW-Elektromotor, Reichweit von über 500 km, bis 90 Fahrgäste, wahlweise 2 oder 3 Türen und ein 19 t zulässiges Gesamtgewicht (optional 19,5 t). Aber nicht nur Karsan wird um den Auftrag buhlen, aber auch Caetano, Solaris, Wrightbus und besonders Iveco Bus dürfte für den E Way H2 auf einen Heimvorteil hoffen. Die Italiener haben zudem eine enorme lokale Marktpräsenz …
Und wie sieht es mit den chinesischen Busherstellern (Yutong, Foton, King Long, Golden Dragon, Zhongtong, Higer, Ankai und beispielsweise auch CRRC Electric Vehicle) aus, die entsprechende FCEV-Linienbusse im Portfolio haben? Das Problem ist weniger die Technik als die Europa-Tauglichkeit: EU-Typgenehmigung, Wasserstoff-Sicherheitsanforderungen, lokale Ersatzteilversorgung, Werkstattnetz, Gewährleistung und langfristige Ersatzteilversorgung können bei einer europäischen ÖPNV-Ausschreibung wesentlich wichtiger sein als der reine Fahrzeugpreis.
Es bleibt spannend, denn chinesische Hersteller halten im Segment der batterieelektrischen Stadt- und Linienbusse in Italien einen bedeutenden und wachsenden Marktanteil, der im ersten Halbjahr 2026 im rein elektrischen Segment kumuliert bei rund 32 bis 35 Prozent lag. Im Gesamtbusmarkt (inklusive Diesel-, Hybrid- und Gasbussen, die in Italien nach wie vor einen großen Anteil ausmachen) fällt der Marktanteil chinesischer Marken deutlich geringer aus, da dort etablierte europäische Hersteller wie Iveco Bus dominieren. (ANFIA/Karsan/IvecoBus/omnibus.news/PM/Sr)

Karsan from Turkey could also supply new FCEV buses from the e-Ata series to Rome… Photo: Schreiber; photomontage: omnibus.news