
Die ATAC in Rom schafft für 83,6 Millionen Euro Brennstoffzellenbusse an. Der Urbino hydrogen wurde zur Illustration ausgewählt, einen Bushersteller für die Fahrzeuge hat die ATAC noch nicht genannt. Foto: Schreiber; Fotomontage: omnibus.news
Die Azienda per i Trasporti Autoferrotranviari del Comune di Roma (ATAC) ist das kommunale Verkehrsunternehmen Roms, heute offiziell ATAC S.p.A. – Azienda per la mobilità. Das Unternehmen ist vollständig im Besitz der Stadt und betreibt den größten Teil des öffentlichen Nahverkehrs: Busse, Straßenbahnen, Oberleitungsbusse und die Metro. Jetzt gibt es 116,7 Millionen Euro für neue lokalemissionsfreie Busse. Den größten Anteil machen laut Medienberichten aus Italien mit 83,6 Millionen Euro dabei neue Brennstoffzellenbusse aus.
2025 war für die ATAC ein Übergangsjahr mit einer großen Anzahl neu beschaffter Fahrzeuge: 411 Iveco E-Way Elektrobusse wurden bestellt: 396 Fahrzeuge mit 12 m Länge und 15 Gelenkbusse mit 18 m. Davon waren 2025 bereits die ersten Fahrzeuge im Einsatz; die Lieferung soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Zusätzlich wurden 244 Solaris Urbino 12 CNG beschafft. Weitere 110 Solaris Urbino 18 Hybrid kamen hinzu. Insgesamt waren zwischen 2022 und 2025 bereits mehr als 800 lokalemissionsarme Busse neu in den Fuhrpark gekommen.
Bislang wurden vier Betriebshöfe der ATAC elektrifiziert und 331 Ladepunkte geschaffen. Jetzt hat das italienische Ministerium für Infrastruktur und Verkehr (MIT) zusammen mit der Stadt Rom weitere Millionen bereitgestellt, damit neben der Beschaffung weiterer lokal emissionsfreier Busse auch noch die dazugehörige Infrastruktur erneuert werden kann. Das Herzstück des Projekts soll der neue „Polo green“ in Acilia im Süden Roms werden. Dort soll grüner Wasserstoff per Elektrolyse produziert und für die Busse bereitgestellt werden soll.
Für diesen Teil sind mehr als 6 Mio. Euro europäische Fördermittel vorgesehen. Bemerkenswert ist, dass Rom perspektivisch sogar einen Wasserstoff-Tankpunkt für private Kunden mitdenken will. Damit soll über den ÖPNV hinaus ein kleiner Wasserstoff-Mobilitätsmarkt entstehen. Rom setzt mit dieser neuen Beschaffung nicht ausschließlich auf BEV-Busse, sondern auf einen gemischten Null-Emissions-Ansatz. Für Busse können Wasserstofffahrzeuge insbesondere dort interessant sein, wo sehr hohe Tageslaufleistungen anfallen und lange Umläufe ohne längere Ladepausen gefahren werden.
Mitunter wählen Betreiber auch FCEV-Busse, wenn die Ladeinfrastruktur an einem Standort problematisch ist oder Fahrzeuge mit hoher Reichweitenreserve benötigt werden. Bei einem direkten Vergleich BEV-FCEV hat ein FCEV-Fahrzeug aktuell höheren Energie- und Infrastrukturkosten und hat einen zusätzlichen Aufwand für die Wasserstoffproduktion und -versorgung. Der entscheidende Punkt wird deshalb sein, wie viele Wasserstoffbusse tatsächlich bestellt werden, von welchem Hersteller und zu welchem Stückpreis. Diese Details wurden auf Nachfrage von omnibus.news von der ATAC nicht genannt.
Wer den strategischen ATAC-Plan und auch die aktuellen Projektunterlagen sichtet, der findet zumindest eine Zahl: 30 Brennstoffbussen sind Bestandteil des Plans. Für Acilia ist die erste Ausbaustufe auf 30 Brennstoffzellenbusse ausgelegt. Interessant ist aber die langfristige Planung: Die Anlage soll später auf die Versorgung von 113 Wasserstoffbussen ausgeweitet werden können. „Wir kaufen nicht nur emissionsfreie Busse der neuen Generation, sondern bauen auch die Infrastruktur auf, die für ihren Betrieb erforderlich ist“, betonte Roms Mobilitätsdezernent Eugenio Patanè im Rahmen der Bekanntgabe der Fördermittel.
Die Planungsunterlagen nennen für die 30 Busse einen Bedarf von ungefähr 560 kg Wasserstoff pro Tag. Dafür sind zunächst drei Elektrolyseure mit jeweils 0,5 MW vorgesehen – also insgesamt etwa 1,5 MW Elektrolyseleistung. Die ursprüngliche Kostenschätzung für Produktions-, Kompressions-, Speicher- und Betankungsanlage lag bei ungefähr 5 Mio. € netto. Das ist wichtig, weil Rom damit nicht einfach Wasserstoff einkauft und an die Busse liefert. Die Anlage soll möglichst auf einem Bereich außerhalb, aber direkt neben dem eigentlichen ATAC-Depot errichtet werden. (ComuneRoma/PM/Sr)