
Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) testet jetzt einen Urbino 9 LE electric von Solaris. Foto: MVG
Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) testet neue (Midi-)Fahrzeuge für den Busbetrieb. Mit Blick auf die nachfrageorientierte Anpassung des Busnetzes testet die MVG nun in den kommenden Wochen zwei elektrische Midibusse im Linienbetrieb, um Erkenntnisse aus den Praxiseinsatz zu gewinnen. Nach einem Wisdom Motor Sigma 8, der Mitte Juli getestet wurde, folgen nun noch ein Solaris Urbino 9 LE electric und ein Wrightbus WB9 9M BUS EU. Die Fahrzeuge dieser Gefäßgröße sind in der Regel zwischen 8 und 10 Meter lang und bieten Platz für 50 bis 60 Fahrgäste.
Midibusse sind wirtschaftlicher bei geringer Nachfrage, auf schwach ausgelasteten Linien müssen nicht dauerhaft große 12-Meter-Busse eingesetzt werden. Weniger Fahrzeuggewicht und geringerer Energieverbrauch können die Betriebskosten senken. Und: Durch die kürzere Fahrzeuglänge und den kleineren Wendekreis eignen sie sich gut für Altstädte, enge Ortsdurchfahrten, Wohngebiete und kurvenreiche Strecken. Ein Midibus kann gegenüber einem großen Standardbus eine höhere durchschnittliche Auslastung erreichen. Das kann insbesondere auf Linien mit stark schwankender Nachfrage sinnvoll sein.
Wenn die Nachfrage nicht für einen großen Bus reicht, kann ein kleineres Fahrzeug eingesetzt und dafür gegebenenfalls ein dichterer Takt angeboten werden. Für Fahrgäste kann das attraktiver sein als ein großer Bus, der nur selten fährt. Bei entsprechend geringerer Fahrgastzahl können Midibusse weniger Energie und damit weniger Emissionen pro Fahrt verursachen. Besonders interessant ist das bei Elektro-Midibussen. Kleinere Fahrzeuge benötigen in vielen Fällen weniger Batteriekapazität als große Elektrobusse. Dadurch können Anschaffung und Betrieb eines elektrischen Midibusses auf bestimmten Einsatzprofilen interessant sein.
An Haltestellen, auf Betriebshöfen und in engen Straßen benötigen sie weniger Raum. Midibusse können gezielt auf Nebenlinien, Quartierslinien, Zubringerstrecken oder Zeiten mit schwacher Nachfrage eingesetzt werden, während größere Busse auf den Hauptachsen fahren. Der entscheidende Punkt ist die Auslastung. Ein Midibus hat natürlich weniger Kapazität. Bei einer stark nachgefragten Linie kann ein größerer Bus trotz höherem Verbrauch pro befördertem Fahrgast wirtschaftlicher sein. Deshalb ist die eigentliche Frage nicht: „Midibus oder Standardbus?“ sondern: „Welche Fahrzeuggröße passt zu welcher Nachfrage und welchem Linienprofil?“
Eine besonders sinnvolle Strategie ist daher ein gemischter Fuhrpark: große Busse auf nachfragestarken Hauptlinien, Midibusse auf schwächeren oder räumlich anspruchsvolleren Linien. Diesem Ansatz folgt man in München und bereitet die Anschaffung entsprechender Fahrzeuge mit einem Praxiseinsatz vor. Die MVG hat nach eigenen Angaben (Stand 31.12.2025) 401 eigene Busse: 72 Solobusse, 270 Gelenkbusse, 57 Buszüge und zwei Minibusse (Tremonia Sprinter City 45DM). Zusätzlich setzt die MVG Busse privater Partner ein. Die MVG gibt für 2025 insgesamt 278 Partnerbusse an. (MVG/omnibus.news/Sr)