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Ein ÖPNV-Gutachten im Auftrag des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zeigt für Niedersachsen im Detail, wie sich Angebot, Nachfrage und Finanzierungsbedarf bis 2040 entwickeln. Foto: Schreiber,VDV; Montage: omnibus.news

Der öffentliche Personennahverkehr in Niedersachsen steht vor großen Herausforderungen: steigende Kosten, Erneuerungsbedarf bei der Infrastruktur, Fachkräftemangel und eine Finanzierung, die mit den Anforderungen an ein leistungsfähiges Angebot nicht Schritt hält. Gleichzeitig soll der ÖPNV in Stadt und Land verlässlich, bezahlbar und attraktiv bleiben. Ein ÖPNV-Gutachten im Auftrag des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zeigt erstmals für den Bund und alle 16 Bundesländer, also auch für Niedersachsen, im Detail, wie sich Angebot, Nachfrage und Finanzierungsbedarf bis 2040 entwickeln.

Und auch, welche Verbesserungen mit zusätzlichen Investitionen erreichbar sind. Schon heute ist die alltägliche Mobilität der Niedersachsen stark vom ÖPNV geprägt: 2024 wurden im Land rund 319 Millionen Nutzfahrzeug- beziehungsweise Nutzzugkilometer erbracht. Dabei dominiert ganz klar der Bus mit 78 Prozent der Betriebsleistung, während im SPNV 60 Prozent der Nachfrage erbracht werden. Die Aufwendungen für den ÖPNV lagen 2024 bei 2,73 Milliarden Euro, davon konnten nur 0,81 Milliarden Euro über Fahrgeldeinnahmen und sonstige Erlöse gedeckt werden.

Im Szenario „Modernisierung 2040“ wird das bestehende System technisch und strukturell weiterentwickelt. Vorgesehen sind unter anderem die Modernisierung und Dekarbonisierung der Fahrzeugflotten, die Ertüchtigung von Werkstätten und Betriebshöfen sowie die Sanierung der Infrastruktur. Hinzu kommen punktuelle Angebotsverbesserungen, etwa durch Neu- und Ausbauprojekte im Schienenpersonennahverkehr sowie in den Stadtbahnnetzen Hannover und Braunschweig. Die Aufwendungen für den ÖPNV lagen 2024 bei 2,73 Mrd. Euro.

Davon konnten 0,81 Mrd. Euro über Fahrgeldeinnahmen und sonstige Erlöse gedeckt werden. Der öffentliche Finanzierungsbedarf lag damit bereits heute bei 1,92 Milliarden Euro. Nach Berechnungen des Gutachtens würde das Angebot um zwei Prozent steigen, die Nachfrage ebenfalls um zwei Prozent. Der jährliche Finanzierungsbedarf erhöhe sich von 1,92 Mrd. Euro auf 3,56 Mrd. Euro bis 2040. Dafür seien im Durchschnitt rund 105 Mio. Euro zusätzliche Mittel pro Jahr erforderlich, davon 44 Mio. Euro inflationsbedingt.

Besonders wichtig für Niedersachsen: Die durchschnittliche ÖPNV-Güteklasse verbessert sich im Deutschlandangebot von Note 4,3 auf 2,9. Für mehr als ein Drittel der Bevölkerung verbessern sich Erschließung und Angebot um zwei Güteklassen, für knapp die Hälfte um eine Güteklasse – und das flächendeckend in allen Landkreisen. Alexander Möller, VDV-Geschäftsführer ÖPNV: „Niedersachsen zeigt, worum es beim ÖPNV in allen Flächenländern geht: Die heutigen Mittel reichen für einen ÖPNV für alle im Land nicht wirklich aus.“

Ohne zusätzliche Mittel lassen sich weder Qualität noch Erreichbarkeit sichern und verbessern. Niedersachsen profitiert trotz nur leicht wachsender eigener Bevölkerung von den engen verkehrlichen Verflechtungen mit Hamburg und Bremen. Gerade im Pendler- und im Tourismusverkehr mit dem SPNV entstehen dadurch zusätzliche Nachfragepotenziale, auf die der ÖPNV vorbereitet sein muss. Das Gutachten macht deshalb deutlich: Die Finanzierung muss über die reine Bestandssicherung hinausgehen, wenn das Land die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen bis 2040 verlässlich bedienen will.

Für Niedersachsen bedeutet das konkret: Das Land muss den ÖPNV langfristig stärker und verlässlicher finanzieren. Bislang stammen rund 82 Prozent der für 2025 vorgesehenen ÖPNV-Ausgaben aus Bundesmitteln, nur knapp 18 Prozent aus Landesmitteln. Gleichzeitig setzt Niedersachsen bislang keine Landesmittel für den ÖSPV-Betrieb ein. Das Gutachten liefert damit eine klare Grundlage für politische Entscheidungen: Wer in Niedersachsen einen attraktiven, leistungsfähigen und flächendeckenden ÖPNV will, muss jetzt die finanziellen Weichen dafür stellen. (VDV/PM/Sr)

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